Stasi-Akten und Zeitgeschichte: Lesung in der Gemeindebücherei Kastl
Ein Journalist, eine Stasi-Akte mit 400 Seiten – und eine deutsch-deutsche Geschichte, die spannender kaum sein könnte. Der Würzburger Reporter Eberhard Schellenberger nimmt sein Publikum mit auf eine eindrucksvolle Reise in die Zeit der deutschen Teilung.
Für Samstag, 25. April um 19.30 Uhr lädt das Team der Gemeindebücherei Kastl zu einem Abend, der Geschichte lebendig macht – spannend, bewegend und hochaktuell ist eine. Es liest der langjährige BR-Journalist in der Gemeindebücherei Kastl aus seinem Buch „Deckname Antenne“, das es in der Kastler Bücherei zum Entleihen gibt. Begleitet wird der Abend von einer multimedialen Präsentation mit Bildern, Originaltönen, Stasi-Dokumenten und Videos aus dem Archiv des Bayerischer Rundfunk.
Als die Stasi mithörte
Was als private Reise begann, entwickelte sich zu einer jahrzehntelangen Überwachung. Als Schellenberger 1984 erstmals in die DDR reiste, um eine Brieffreundschaft zu besuchen, geriet der junge Journalist sofort ins Visier der Staatssicherheit.
Nach dem Fall der Mauer tauchten schließlich zwei umfangreiche Stasi-Akten über ihn auf – insgesamt rund 400 Seiten. Darin finden sich minutiöse Protokolle seiner Reisen, abgehörte Telefonate zwischen Würzburg und Suhl sowie sogar mitgeschnittene Radiosendungen.
Die Stasi vermutete hinter dem Reporter Verbindungen zu „imperialistischen Geheimkräften“ und überwachte ihn bei seinen DDR-Besuchen lückenlos. Selbst im Westen hatte der Geheimdienst Informanten – unter anderem wurden drei Würzburger Studenten am Balaton in Ungarn angeworben.
Die Nacht, die Geschichte schrieb
Besonders eindrucksvoll schildert Schellenberger die Ereignisse rund um den Fall der Berliner Mauer am 9./10. November 1989. Ein Beispiel dafür ist der Grenzübergang Eußenhausen–Meiningen, an dem sich in jener Nacht historische Szenen abspielten.
Auch bei der Deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 war der BR-Reporter vor Ort. Mit Tränen in den Augen berichtete er live aus mitten feierndem Menschen – eine der emotionalsten Reportagen seiner journalistischen Laufbahn.
Zeitgeschichte für die nächste Generation
Sein Buch habe er bewusst auch für jüngere Menschen geschrieben, sagt Schellenberger. Für viele der nachgewachsenen Generation wirken die Geschichten aus der Zeit der deutschen Teilung heute kaum noch vorstellbar.
Bei der Lesung berichtet der Zeitzeuge aus erster Hand über den Kampf um Demokratie, Meinungsfreiheit und Reisefreiheit – und darüber, wie sich Geschichte ganz persönlich anfühlen kann.
* Lesung: „Deckname Antenne“
* Samstag, 25. April, 19.30 Uhr
*Gemeindebücherei Kastl, Klosterbergstraße 1
Ein Abend, der Geschichte lebendig macht – spannend, bewegend und hochaktuell.