Kürzlich verbrachte eine Delegation der Johann-Andreas-Schmeller-Gesellschaft zum dritten Mal nach 2022 und 2024 einen Forschungsaufenthalt in den Laimbachtälern (Valli del Leno), um die Reste der dort beheimateten zimbrischen Sprache, die als das älteste Bairisch gilt, zu erforschen und Möglichkeiten einer Wiederbelebung in Betracht zu ziehen.
Die mittlerweile III. Europa-Gespräche bildeten dabei den passenden Rahmen, um erstmals eigene Forschungsergebnisse zu präsentieren. Diese bezogen sich insbesondere auf die örtliche Toponymie, d. h. Ursprung, Bedeutung und sprachliche Entwicklung geografischer Namen, und die Rolle der lokalen Variante des Zimbrischen im Spiegel der Mehrsprachigkeit, also dem Verhältnis des Zimbrischen zum Italienischen im Sprachgebrauch der Einheimischen. Zudem wurde ein Vorschlag für ein künftiges gemeinsames zimbrisches Wappen unterbreitet. Somit hat die Schmeller-Gesellschaft entscheidend dazu beigetragen, innerhalb von wenigen Jahren Impulse für die wissenschaftliche Beschäftigung mit den in dieser Hinsicht lange vernachlässigten Laimbachtälern zu geben und erste Maßstäbe zu setzen.
Überdies gelang es, nicht nur bei den eigenen Mitgliedern, sondern sowohl bei Wissenschaftlern der umliegenden Universitäten Trient, Verona und Bozen als auch bei etlichen sprachkulturell tätigen Institutionen und Vereinen aus der näheren Umgebung der Laimbachtäler Interesse an den Europa-Gesprächen zu wecken, so dass die Räumlichkeiten des gastgebenden Dokumentations- und Kommunikationszentrums der Sprachminderheiten in den Alpen (DoKoSA) dem Ansturm der Besucher kaum gewachsen waren. Besonders bei der Verleihung des Arthur-F.-Stoffella-Preises, der zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses für Arbeiten aus dem Gebiet der zimbrischen Sprachforschung oder anderer sprachlicher Minderheiten im Alpenraum vergeben wird, platzte der Tagungsraum aus allen Nähten. Sogar das zimbrische Fernsehen berichtete von der Preisverleihung, die an die beiden Sprachwissenschaftler Tamara Bassighini und Romano Madaro zu gleichen Teilen erfolgte. Daneben erhielten Anna Nicolussi Neff eine „ehrenvolle Erwähnung für die herausragende Leistung“ ihrer eingereichten Arbeit sowie Sieghard Gamper eine „Ehrenurkunde für eine anerkannte Persönlichkeit, die sich um den Fortbestand alpiner Minderheitensprachen verdient gemacht hat“.
Welchen Stellenwert diese Auszeichnungen in der öffentlichen Wahrnehmung inzwischen für sich beanspruchen können, zeigte sich wenige Tage nach den Europa-Gesprächen, als die Meranerin Bassighini für ihre ausgezeichnete wissenschaftliche Arbeit und ihren Einsatz für Sprachminderheiten vom Radiosender Südtirol1 zur Südtirolerin des Tages gekürt wurde.
Die generelle Bedeutung der Europa-Gespräche unterstrich Sieghard Gamper, selbst bis vor kurzem Direktor des Amtes für Europäische Integration der Autonomen Region Trentino-Südtirol, in seinem Beitrag für die zweisprachige Seminarschrift, die bereits zu Beginn der viertägigen Veranstaltung präsentiert worden war, eindrücklich mit folgenden Worten: „Diese Initiative bringt zwei Kulturräume, den germanischen und romanischen, näher; es ist eine Initiative für das gesamte Zimbernland; es ist eine Veranstaltung von regionalem, überregionalem, bedeutsamem Interesse, ja von euroregionalem Interesse im weitesten Sinne. Ein Europa der Zukunft muss ein Europa der historischen sprachlichen und kulturellen Vielfalt sein, und dafür ist der Schutz der historischen Sprachminderheiten unerlässlich.“
In die gleiche Kerbe schlug Hugo-Daniel Stoffella, in Personalunion Leiter des DoKoSA und Obmann des renommierten Südtiroler Volksgruppen-Instituts: „Im Nachhinein können wir als Fazit zusammenfassen: Unsere Europa-Gespräche und somit vor allem die Schmeller-Gesellschaft haben sich zum ersten und einzigen sprachwissenschaftlichen Ansprechpartner für die Kultureinrichtungen aller zimbrischen Sprachgemeinschaften entwickelt!“