Regenstauf. Fitnesstest von allen Schiedsrichtern bestanden, auch der Regeltest war für sie und ihre Coaches kein Problem: Somit hat der Bezirksschiedsrichterausschuss (BSA) um Markus Weigert die Weichen für die neue Fußballsaison gestellt. Doch weil die Wahrheit bekanntlich am Platz liegt, wurden den Unparteiischen beim Bezirksliga-Lehrgang in Regenstauf noch viele Tipps mit auf den Weg gegeben: von den Regeländerungen bis hin zu einigen von FIFA-Schiedsrichterassistent Eduard Beitinger vermittelten „Grundlagen der Kommunikation“ am Fußballplatz.
Zunächst blickte der BSA auf eine nahezu problemlos verlaufene Saison zurück. Wie Weigert betonte und der BFV-Bezirksvorsitzende Thomas Graml bestätigte, gab es von Seiten der Spielleiter und des Sportgerichts „kaum nennenswerte Vorkommnisse“ in Sachen Schiedsrichter. Das Tagesgeschäft für die Sportrichter waren Notbremsen; die Zahl der Vergehen gegen Schiedsrichter durch Trainer oder Teamoffizielle war rückläufig. Das zumeist gute Verhältnis der Vereine zu den Unparteiischen unterstrich auch Hans Kirnberger vom gastgebenden ASV/TB Regenstauf in einem Grußwort. Unter dem Beifall der Schiedsrichter und Beobachter wurden Walter Schimpke, der acht Jahre lang Lehrwart der Gruppe Amberg war, und Jakob Baier (Gruppe Schwandorf), der freiwillig auf seinen Bezirksliga-Platz verzichtet hatte, verabschiedet.
Als Einteiler für die Ligen des Bezirks berichtete der stellvertretende Bezirksobmann Roman Solter von leicht steigenden Schiedsrichterkosten: in der Bezirksliga Nord von 195,89 Euro in der Vorsaison auf 196,52 Euro, in der Südgruppe von 197,49 auf 200,62 Euro. Die Zahl der Spielleitungen pro Bezirksliga-Schiedsrichter lag zwischen drei und elf. Den Austausch mit den Nachbarbezirken Mittel- und Oberfranken sowie Niederbayern wird es auch in der kommenden Saison geben. Für das Beobachtungswesen hatte Markus Weigert ebenfalls viele Zahlen parat: 235 Coachings habe man in den Bezirksligen durchgeführt, so dass jeder auf dieser Ebene qualifizierte Schiedsrichter 6,49 Beobachtungen im Schnitt erhielt. Auch in den Verbandsklassen waren die Oberpfälzer Coaches gefragt: in der Regionalliga beobachteten sie 31 Spiele, in der Bayernliga 47 und in der Landesliga 100. Neu als Coaches fungieren ab sofort im Bezirk Maximilian Baier (Schiedsrichtergruppe Regensburg), Werner Gabler (Schwandorf), Nico Wiehrl (Amberg) und Mario Kiefl (Cham).
Drei von vier Nachwuchstalenten, die aus der Oberpfalz für das Nachwuchsleistungszentrum des Verbandsschiedsrichterausschusses gemeldet wurden, haben auf dieser Überholspurt den Aufstieg in die Landesliga geschafft, berichtete das für die Förderung zuständige BSA-Mitglied Philipp Götz. Dennoch verwahrte er sich gegen den Vorwurf eines Jugendwahns in der Oberpfalz, was zum einem das Alter der Regelaufsteigers zeige und zum anderen dadurch deutlich wird, dass der BSA nach einem Drittel der Saison die Förderschiene auch für ältere Schiedsrichter mit Landesliga-Perspektive öffnen wird. Mit der Verschlankung von drei auf zwei Fördergruppen will Götz den Leistungsgedanken und die Kommunikation mit dem BSA stärken. Die Bezirksliga-Gruppe startet mit den elf Schiedsrichtern, die nach den DFB-Vorgaben altersmäßig noch eine Chance auf eine Karriere im Profifußball haben; den sechs Bezirksliga-Anwärtern wurde jeweils ein Regionalliga- oder Bayernliga-Schiedsrichter als Individualcoach zugeordnet.
Philipp Götz erläuterte auch die Regeländerungen, die in Bayern ab 1. Juli im Erwachsenenbereich und ab 16. Juli bei der Jugend gelten. Wichtigste Neuerung ist wohl der Wegfall der Zeitstrafe in allen Spielklassen. Inwieweit es gelingt, durch einige Änderungen tatsächlich die Nettospielzeit zu erhöhen, wird aktuell schon die Weltmeisterschaft zeigen. Der Realität angepasst wurde auch das schon lange geltende Verbot, Schmuck und Accessoires am Fußballplatz zu tragen: Solange dies keine Gefährdung für Gegenspieler und sich selbst darstellt, können Eheringe, Ohrsticker oder Lederarmband künftig abgeklebt oder unter einem Tape versteckt werden.
Bevor sich in getrennten Tagungen die Schiedsrichter insbesondere mit dem Lauf- und Stellungsspiel und die Coaches mit den Änderungen im Beobachtungsbogen auseinandersetzten, gab Eduard Beitinger einige Anregungen zu einer deeskalierenden Kommunikation am Fußballplatz. Wie der Regensburger, der in der Bundesliga und auch international an der Seitenlinie unterwegs ist, erläuterte, könne ein Schiedsrichter mit Worten führen, Vertrauen schaffen und Entscheidungen vermitteln. Gerade in Stresssituationen solle ein Referee ruhig und klar bleiben und in seinen Aussagen Fachbegriffe und komplizierte Formulierungen vermeiden. Wichtig sei dabei, Prioritäten zu setzen. Auch aktives Zuhören könne helfen, Informationen zu sammeln und Verständnis zu signalisieren. Respekt sei keine Einbahnstraße, betonte Beitinger, dass der Schiedsrichter die von ihm erwartete Wertschätzung auch selbst dem Spieler gegenüber zeigen müsse, um dessen Kooperationsbereitschaft zu erhöhen. Abschließend gab er noch ein paar Tipps zu einer sinnvollen Headset-Kommunikation im Schiedsrichterteam.