Vor nunmehr fast einem halben Jahrhundert hat der letzte Einsiedler, Bruder Josef Plaschko, die Klause auf dem Eixlberg verlassen. Das die frommen Klausner in der Bevölkerung nach wie vor unvergessen sind, das beweist der volle Pfarrsaal beim Einsiedler-Gedenktag, den der Pfreimder OWV am vergangenen Samstag (15.11.2025) veranstaltete. Ziel war es, in dankbarem Andenken die gottergebenen Männer zu ehren, welche ein überaus karges Leben auf sich nahmen, um unermüdlich im Stillen zu beten – gerade auch für uns und unsere Heimat. Seit den 80er Jahren nun betreibt der Waldverein in der ehemaligen Klause sein Vereinsheim.

OWV-Vorstand Robert Koster begrüßte die unerwartet zahlreich erschienenen Gäste und führte durch die Veranstaltung, zu der auch etliche auswärtige Teilnehmer angereist waren. Und wer wäre berufener gewesen, über das Einsiedlertum zu referieren, als Altvater Johannes Schuster, der Obere der Frauenbründler Eremitenverbrüderung! In seinen Ausführungen stellte er wichtige Einsiedler-Persönlichkeiten vor, beginnend im 3. Jahrhundert mit dem „Ureinsiedler“ Antonius dem Großen, dem volkstümlichen „Sautoni“, der als erste Gallionsfigur dieser damals in Ägypten neu entstehenden Lebensform greifbar ist. Das Einsiedlertum stand übrigens auch Pate für jegliches koinobitische (d.i. „zusammenwohnende“) Klosterleben, wie wir es heute kennen. Nicht der Rückzug vor den Menschen sei das Ziel, sondern der Rückzug ins eigene Herz, um dort Gott zu begegnen. Keiner, der nicht wahrhaft vom Herrgott berufen sei, würde das auf Dauer aushalten. Die Klausner hätten früher für die umliegende Bevölkerung u.a. das geleistet, wofür man heute Psychiater und Sozialpädagogen bemühe. Als besonders strenge Sonderformen der Einsiedler hätten sich zum einen die Säulensteher herausgebildet, zum andern die sogenannten Inklusen, das waren Gottgeweihte, die sich alleine in ihrer Zelle einmauern ließen und nur durch ein Guckerl Umgang mit der Außenwelt hatten. Die Säkularisation 1803 unter dem Grafen Montgelas habe in Bayern das Klosterleben aussterben lassen wollen, das Einsiedeln sei verboten worden. Als Wiedererwecker des bayerischen Eremitentums könne Paul Zeilbeck gelten, welcher von 1860 bis 1877 auch selber auf dem Eixlberg gesiedelt habe. Die Altvater Johannes unterstellte Frauenbründler Bruderschaft habe als einzige von ehemals mehreren die Wirren der Zeit überstanden. Vor Jahren habe sie nur mehr vier Mitglieder umfaßt, heute sei sie wieder auf 13 Einsiedler angewachsen, allerdings verteilt auf mehrere Länder.

Im Anschluss stellte der Neunburger Architekt Johannes Steidl Einzelheiten des Klausengebäudes vor, das in den vergangenen zehn Jahren aufwendig hergerichtet worden ist. Mit modernster Technik sei jeder Punkt des Gebäudes digital erfasst worden. Bei der Sanierung habe man Wert auf Stilechtheit gelegt, auch bei Einzelheiten; so sei z.B. die bauzeitliche Türgarnitur der Barbara-Kirche von einem Kunstschmied nachgefertigt worden und ziere nun auch die Klausen-Haustür. Einige Mühe habe die zuverlässige Trockenlegung des uralten Mauerwerks bereitet. Erst jüngst sei eine Baumring-Altersbestimmung an mehreren Balken vorgenommen worden, deren Ergebnis Steidl hier erstmalig vorstellte: die Klause in ihrer heutigen Gestalt sei etwa im Jahre 1672 errichtet worden, im Zusammenhang also mit dem Bau der Loretto-Kapelle auf dem Eixlberg – und noch vor dem Neubau der Barbara-Wallfahrtskirche im Jahre 1702. Diese Bauzeit wird übrigens auch durch die archäologische Auswertung der Scherben bestätigt, welche bei Einbau des neuen Fußbodens vom Vogelwart aus dem Aushub des Klausenflurs geborgen wurden.
Der Stambächer Schmie-Hans (Johann Schuh), schilderte anschließend in lebhaftem Vortrag seine Erfahrungen mit dem letzten Einsiedler Josef Plaschko, einem Böhmerwäldler. Seine sehr persönlichen Schilderungen gingen zu Herzen. Plaschko sei auf diesen Lebensweg geführt worden, nachdem ihm zweimal kurz vor der Hochzeit die Braut weggestorben sei. Die Versorgung der frommen Brüder auf dem Eixlberg sei auch Mitte des 20. Jahrhunderts keinesfalls üppig gewesen. So habe Bruder Josef immer wieder Hungers leiden und sich nach einem Zuverdienst umschauen müssen. Das Leben auf dem Berg sei hart und entsagungsvoll gewesen.

Ein Film des BR aus dem Jahre 1974 über die Frauenbründler Eremitenverbrüderung, in der auch immer wieder der damalige Eixlbergklausner vorkam, rundete den gelungenen Nachmittag ab. Viele Gäste zeigten sich in den Pausengesprächen innerlich bewegt.
Den Abschluss des Gedenktages bildete ein wahrhaft fulminanter Gottesdienst in der Pfreimder Klosterkirche. Pater Vinzenz Schlosser von den Passionisten auf dem Miesberg predigte über die Rettung in der Endzeit, wie sie in der Bibel geschildert wird. Nicht nur Antonius der Große, sondern auch Passionistengründer Paul vom Kreuz hätten den Rückzug in die „innere Wüste” nahegelegt, ein Gesichtspunkt, der an das Einsiedlertum gemahne. Wer in Gott sei, könne auch in dieser unserer Zeit bestehen, in welcher viele Menschen endzeitliche Züge erkennten. Der Gesang des Dekanatschores unter der Leitung von Michael Koch verlieh der Messe eine seltene klangliche Erhabenheit.

Auch am darauffolgenden Sonntag kam noch eine Schar Besucher in die von Helmut Friedl erarbeitete Ausstellung „Mesner und Eremiten auf dem Eixlberg“. Die Veranstalter vom OWV sind mehr als dankbar und erfreut ob des großen Zuspruchs, welchen der Einsiedler-Gedenktag erfahren hat.