Wer in den kommenden Wochen im Stadtwald Kemnath unterwegs ist, wird an manchen Wegen überrascht sein: Plötzlich ist es dort deutlich heller, einzelne Fichten fehlen und der Wald wirkt ungewohnt offen.
Was auf den ersten Blick wie ein starker Eingriff aussieht, ist jedoch eine bewusst geplante Maßnahme für die Zukunft unseres Waldes. Sie wurde von Stadtförster Reinhard Hermann in enger Abstimmung mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Tirschenreuth-Weiden i. d. OPf. entwickelt, das die Betriebsleitung im Stadtwald innehat.
Im Bereich des Distrikts „Flötz“ am Rand des Fichtelgebirges wird entlang ausgewählter Wege ein schmaler Streifen gezielt gepflegt. Dabei werden vor allem Fichten entnommen, während andere Baumarten stehen bleiben. So gelangt mehr Licht auf den Waldboden – die wichtigste Voraussetzung dafür, dass sich junge Bäume wie Eichen oder andere Laubbäume von selbst ansiedeln können.
„Wir nutzen diese lichteren Bereiche ganz bewusst als Ausgangspunkte für den Waldumbau“, erklärt Forstdirektor Christoph Hübner vom AELF. „Hier können sich Mischbaumarten besser entwickeln, und von dort aus breiten sich Samen auch in die angrenzenden Bestände aus.“
Der Hintergrund: Die Fichte hat unseren Wald über viele Jahrzehnte geprägt, ist aber in Zeiten von Trockenheit, Stürmen und Borkenkäfer deutlich anfälliger geworden. Damit der Stadtwald auch in Zukunft stabil und widerstandsfähig bleibt, wird er Schritt für Schritt in einen vielfältigeren Mischwald umgebaut.
„Dass wir entlang der Wege arbeiten, hat mehrere Vorteile“, ergänzt Stadtförster Reinhard Hermann. „Wir können die Maßnahmen hier besonders effizient durchführen, verbessern gleichzeitig die Verkehrssicherheit und schaffen ideale Bedingungen für die natürliche Verjüngung.“
Die Wegetrassen bieten bereits guten Lichteinfall. Gleichzeitig nutzt auch der Eichelhäher solche Wegelinien als Orientierung und versteckt in diesen Bereichen besonders gerne Eicheln und andere Samen – ein wichtiger Beitrag zur natürlichen Verjüngung des Waldes. Als weiterer Nebeneffekt trocknen die Wege schneller ab, was ihre Haltbarkeit verbessert.
Auch wenn der Wald nach den Arbeiten zunächst ungewohnt aussieht – schon bald werden sich an diesen Stellen junge Bäume und neue Vielfalt entwickeln. Der lichte Eindruck ist also kein Schaden, sondern der Anfang eines neuen, stabileren Waldes.
Wir bitten alle Waldbesucher um Verständnis und laden Sie ein, die Entwicklung Ihres Stadtwaldes aufmerksam zu begleiten.