Wenn Anfang September in Rosenberg der Kirwabaum majestätisch in den Himmel ragt, die Kapelle spielt und die Kirwapaare um den Baum tanzen, wirkt alles wie eine eingespielte Choreografie. Doch der feierliche Schein verbirgt, dass hinter der ausgelassenen Stimmung auf dem Festplatz viel Detailarbeit steckt. Ein Mann, der diese Fäden über vier Jahrzehnte hinweg fest in der Hand hielt, ist Andreas „Hobbo” Royer. Seit 1983 ist er eng mit dem Kirwa-Brauchtum verwoben. Heute blickt er auf beeindruckende 45 Jahre Kirwa-Erfahrung zurück, 45 Jahre, die auch von vielen Geschichten und Erinnerungen geprägt sind.
„1979: Man besann sich wieder auf die alten Bräuche, ein paar vom Kirwa-Bazillus-Infizierte waren auch schnell gefunden, ein Baumspender trug sich an, und die Kirwa in Rosenberg erstand mit Pauken und Trompeten wieder aus der Versenkung.” So blickte 1985 eine Zeitungsbeilage auf die Wiedergeburt des Festes zurück. Als Mitbegründer der Rosenberger Kirwa hat Sepp Lösch diese Anfänge hautnah mitgestaltet. Seine Chronik existiert nicht nur in seinen gedruckten Beiträgen der Sulzbach-Rosenberger Zeitung. Als Zeitzeuge kennt er die vielen Legenden, Begebenheiten und humorvollen „Gschichtl'n” hinter den Kulissen wie kaum ein anderer.
Royers Weg war eine Bilderbuchkarriere dieses lokalen Brauchtums: In seinen Anfangsjahren stand er selbst mitten im Geschehen und war zehn Mal als Kirwabou beim Baumaustanzen aktiv. 1990 wurde er Oberkirwabou. Es folgte eine Ära des Gestaltens: Zwölf Jahre lang leitete er die Kirwagemeinschaft als Erster Vorsitzender. 30 Jahre lang übernahm er als Festausschussvorsitzender Verantwortung für das Gelingen des Festes.
Im Laufe der Jahrzehnte haben sich die Anforderungen an große Veranstaltungen massiv verändert. Was früher per Handschlag und mit überschaubarem Papierkram geregelt werden konnte, erfordert heute ein hohes Maß an Verwaltungsaufwand. Um die Ehrenamtlichen zu entlasten und das Brauchtum zukunftssicher aufzustellen, hat mittlerweile die Stadt einen Großteil dieser komplexen Hintergrundorganisation übernommen. Ein Schritt, der nötig war, damit die Tradition auch in modernen Zeiten lebendig bleibt.
Im Rahmen des Stadtempfangs auf der Rosenberger Kirwa im Fischergarten würdigte Bürgermeister Stefan Frank das Wirken von Andreas „Hobbo” Royer im Festausschuss. In seiner Rede hob das Stadtoberhaupt hervor, dass ein solch unermüdliches, jahrzehntelanges Engagement keineswegs selbstverständlich sei. Royer habe über Generationen hinweg dafür gesorgt, dass Traditionen bewahrt werden. Ohne Menschen wie ihn, die im Verborgenen die Strippen ziehen, wäre ein intaktes Vereins- und Kulturleben kaum vorstellbar.