Wie künstliche Intelligenz unser Leben revolutioniert.
Ob beim Schreiben von E-Mails, der medizinischen Vorsorge oder in der Arbeitswelt – Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern fester Bestandteil unseres Alltags. Doch wie nutzen wir diese Technologie richtig, und wo liegen die Grenzen? Zu diesem hochaktuellen Thema lud der SPD-Ortsverein Ursensollen im Rahmen des Seniorennetzwerkes Ursensollen am vergangenen Donnerstag, 18. Juni 2026, zu einem packenden Vortrag in den Rathaussaal ein. Als Referent konnte der studierte Wirtschaftsinformatiker Robert Meier gewonnen werden, der den interessierten Zuhörern einen tiefen Einblick in die Chancen und Risiken der digitalen Helfer gab. Wer glaubt, KI sei eine Erfindung der Neuzeit, der irrt. Meier spannte zu Beginn den historischen Bogen weit auf: Bereits im Jahr 1956 wurde das erste KI-Programm geschrieben. Doch der echte, spürbare Urknall für die breite Öffentlichkeit ereignete sich erst vor rund drei Jahren, als Ende 2022 und Anfang 2023 ChatGPT auf den Markt kam. Seitdem ist das Wissen der Welt quasi im Sekundentakt und für jeden frei abgreifbar geworden.
Im Zentrum des Vortrags standen die sogenannten Chatbots. Robert Meier erklärte praxisnah, wie die Kommunikation mit den Maschinen funktioniert. Der Schlüssel zum Erfolg liege in der richtigen Sprache – dem sogenannten „Prompt“. Nur wer der KI präzise, kontextreiche und klare Anweisungen (Prompts) gibt, erhält am Ende auch das gewünschte, qualitativ hochwertige Ergebnis. Das Spektrum reicht dabei längst über Text hinaus: Heute lassen sich per Knopfdruck täuschend echte Bilder zaubern und komplexe Grafiken bearbeiten. Besonders greifbar wurde der Vortrag, als Meier auf den rasanten Ausbau von smarten Helfern im privaten Bereich einging. Vor allem in der Medizin und Pflege bietet KI enorme Chancen: Von der intelligenten Erinnerung an die Medikamenteneinnahme über die automatische Erfassung von Vitalwerten bis hin zur Sturzerkennung, die im Ernstfall selbstständig einen Hilferuf absetzt. Diese Systeme, so der Experte, werden in den kommenden Jahren noch massiv ausgebaut und älteren oder kranken Menschen ein langes, selbstbestimmtes Leben zu Hause ermöglichen. Trotz aller Euphorie sparte der Wirtschaftsinformatiker die Schattenseiten und globalen Herausforderungen nicht aus. KI wird die Arbeitswelt tiefgreifend verändern – Routinetätigkeiten fallen weg, neue Kompetenzen werden gefordert. Auch vor der Rüstungsindustrie macht die Entwicklung nicht halt: Der Einsatz von KI im Militär birgt ethische Sprengkraft. Zudem warnte Meier vor einer neuen Form der sozialen Ungleichheit: Wer im künftigen Berufs- oder Privatleben keinen Zugang zu KI hat oder den Umgang mit ihr nicht lernt, drohe abgehängt zu werden. Zum Ende des Vortrags wurde es noch einmal eindringlich. Meier sensibilisierte das Publikum für das Thema „Fakes“. Durch KI-generierte Bilder, Videos und Stimmen wird es immer schwieriger, Wahrheit von Manipulation zu unterscheiden. Die größte philosophische und technische Herausforderung der Menschheit bleibe daher die akute Gefahr des Kontrollverlustes. Es gelte, rechtliche und ethische Leitplanken zu setzen, damit die KI stets ein Werkzeug des Menschen bleibt – und nicht umgekehrt.
Mit Applaus und reichlich Gesprächsstoff für den Heimweg endete ein Abend, der zeigte: Die KI ist gekommen, um zu bleiben. Es liegt an uns, sie klug zu beherrschen.