Die von der Gemeinde und der Seniorenbeauftragten Monika Breunig organisierte Kastler Seniorenfahrt führte heuer in den Truppenübungsplatz Hohenfels. Bürgermeister Stefan Braun begrüßte die rund 40 Teilnehmer im Bus des Unternehmers Lindner und die Fahrt führte über Velburg zum sogenannten Gate five (Tor 5) bei Hörmannsdorf. Nach der Ausweiskontrolle am Eingang übernahm der Übungsplatzkenner Paul Böhm die Führung der Tour. Man kam zunächst am Ort Harras vorbei und konnte die zahlreichen Streuobstwiesen mit vielen Apfelbäumen bewundern. Danach standen die Truppenlager Albertshof und Pöllnricht auf dem Programm – wo die zahlreichen Fahrzeuge und auch Panzer für die ankommenden übenden Truppen vor allem aus Osteuropa bereitstanden. Weiter führte die Fahrt bei Unterödenhard am ehemaligen Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht vorbei – in dem bis 1945 abgeschossene Piloten aus den USA, England, Kanada, Australien und Neuseeland einsaßen.
Überrascht hat vor allem, dass der Übungsplatz einen Parkcharakter mit riesigen Trockenrasenflächen, die beweidet werden, zahlreichen auch großen Waldflächen und eine immense Anzahl von großen und kleinen Regenrückhaltebecken hat, die als Tränke für das Wild – Wildschweine und Rotwild –, von denen es jede Menge im Übungsplatz gibt, dienen. Ein standorttreuer Wolf hat sich aber noch nicht eingestellt. Wie Paul Böhm weiter erzählte, wurde der Übungsplatz Hohenfels im Jahr 1937/38 als Artillerieschießplatz mit rund 10.000 Hektar ausgewiesen und die ersten Anwohner ausgesiedelt. Im Jahr 1951 erfolgte die Erweiterung mit rund 6500 Hektar – in nördlicher Richtung nach Velburg und dem Lauterachtal mit erneuter Aussiedlung der Bewohner. Der Übungsplatz hat also rund 16.500 Hektar Größe, über 200 Kilometer Schotter- und Teerstraßen und sieben Übungsdörfer – wo die US-Truppen, aber auch deutsche Spezialkräfte die verschiedenen Szenarien vom Häuserkampf über Bevölkerungsevakuierung durchspielen und üben. Insgesamt hat eine Übungsplatzrunde eine Länge von über 80 Kilometern. Deshalb kam man auch an der Übungsautobahn entlang – der sogenannten Road to Bagdad, auf der auch der Einsatz von Fahrzeugen unter Kriegsbedingungen geübt werden kann. Man kam auch durch das Übungsdorf Circle Town – das als Kulisse für einen Münchner Tatort gedient hat. In Oberdantldorf gibt es die Landpisten für die großen amerikanischen Transportflugzeuge, z. B. Hercules, die die Fallschirmjäger absetzen. Um die verschiedenen Einsatzszenarien und Bodenverhältnisse zu üben, gibt es eine Asphaltbahn und eine Sandpiste.
Danach ging es durch weitere Übungsdörfer und im Dorf Schwend, so Paul Böhm, gibt es künstliche Höhlen und Tunnel, die für Einsätze in Afghanistan notwendig waren. Auch sind noch ehemalige Kirchen und Gebäude entlang des Weges zu sehen – die teilweise wieder hergerichtet wurden – und meist als Fledermausquartiere dienen. Dabei konnte man auch einen tollen Ausblick auf die Burgruine Hohenburg von der Übungsplatzseite genießen. Den Abschluss bildete das ehemalige Dorf Schmidheim mit der Kirche St. Bartholomä und der Brauerei Rödl.
Nach dem Verlassen des Übungsplatzes gab es noch Getränke und eine Brotzeit und Bürgermeister Stefan Braun bedankte sich bei Paul Böhm für die interessante Tour – ehe man sich wieder auf den Heimweg machte. Nachdem die Tour meist durch den 1. Teil des Übungsplatzes von 1937/38 geführt hat, wünschten sich die Teilnehmer eine Tour im nächsten Jahr durch die Erweiterung in Richtung Lauterachtal – die heuer wegen des Übungsbetriebs gesperrt war. Stefan Braun versprach, sein Möglichstes zu tun.