Unter dem Titel ‘Glaubensbilder – Die Darstellung des Marienlebens in der Mausbergkirche’ führte Dr. Bernhard Rösch am ersten Mausbergfestsonntag die Zuhörenden in der gut besetzten Wallfahrtskirche durch den barocken Innenraum. Zu erklären war anfangs aber, wie sich diese ‘Biographie’ der Mutter Jesu denn entwickelt hat, weil es weder in den Evangelien, v. a. Lukas und Matthäus, noch in den frühchristlichen und mittelalterlichen Überlieferungen einheitliche Aussagen gibt. So wurde das sog. Protoevangelium des Jakobus gar nicht in den biblischen Kanon aufgenommen wurde, obwohl es die meisten Details zu Marias Leben bis zur Verkündigung erzählt und so gewissermaßen ein ‘Vorkapitel’ des Lukas-Evangeliums darstellt. Sehr viele Bildmotive verdanken sich auch der typologischen Beziehung, in der das Neue Testament als eine Erfüllung des Alten Testaments gesehen wird; so kann Christus als neuer Adam und Maria als neue Eva erscheinen.
Aus dieser sehr unterschiedlich gemischten Überlieferung erklärte der Referent lebendig und mit konkreten Quellen die dargestellten Szenen. Dabei kommen gerade nicht die zentralen christologischen Szenen vor (z.B. Verkündigung, Geburt, Anbetung der Könige), sondern seltene Stationen wie Mariä Tempelgang und Mariä Verlobung, die eben aus dem Protoevangelium des Jakobus stammen, ferner der selten erwähnte Traum Josefs, der wie die Flucht nach Ägypten bei Matthäus zu finden ist; von Lukas wiederum stammt die Darstellung Jesu im Tempel und die Szene des zwölfjährigen Jesus im Tempel.
Rätselhafterweise fehlt im ganzen Kirchenraum aber eine Darstellung der Geburt Mariens, die ja doch das Hauptfest der Wallfahrtswoche markiert. Die Antwort liefert der große Deckenspiegel des Langhauses, auf dem die Himmelfahrt und die Krönung Maries zu sehen sind. 1843 erhielt die Kirche neue Weihe, indem das Patrozinium künftig lediglich „beatissima virgo Mariä“ lauten sollte; somit repräsentiert das Deckengemälde dieses neue Patrozinium. Das sehr bewegte Bild gliedert sich in drei Zonen, die chronologisch von unten nach oben gelesen werden können. Der Sarkophag besagt, dass Maria im Kreise der Apostel starb und bestattet wurde. Diese leibliche Aufnahme in den Himmel unter Anwesenheit von Engel entsteht im 5. Jh. und wurde weiter ausgeschmückt: So fand sich nach wenigen Tagen bei der Öffnung des Grabes kein Leichnam, sondern Blumen; auf diese Überlieferung geht der Brauch der Blumen- bzw. Kräuterbuschen am 15. August zurück. Auf dem Gemälde sind 72 Blüten zu sehen, weil Maria angeblich 72 Jahre alt wurde. In der Mitte der Apostel steht der als ungläubig bekannte Thomas, der bei ihrem Tod nicht anwesend war, aber als Zeichen ihrer Aufnahme ihren Gürtel in den Händen hält. Die letzte Szene der hat ihre biblische Grundlage in den Psalmen, in denen die Gestalt der festlich geschmückten Braut auf Marias Rolle vorausdeutet.
Weitere Elemente nimmt das Bild der unbefleckten Maria (Immaculata) auf dem Deckenspiegel des Chores in sich auf: Die Mondsichel zu ihren Füssen weist sie als apokalyptisches Weib aus, das in der Offenbarung des Johannes den Kopf der Sündenschlange zertritt. Maria trägt eine Lilie, die im Hohelied des Alten Testaments erwähnt ist; in der Verkündigungsszene hält sie der Engel Gabriel in Händen. In diese Tradition der Verherrlichung durch Sonne und Sterne gehört auch die Figur der Strahlenkranz-Madonna an der linken Wand im Chor. Für die Figur der Schmerzensmutter jedoch liefern die Evangelien von Lukas (Darstellung Jesu im Tempel die Aussage Simeons) und Johannes (Marias Anwesenheit unter dem Kreuz) die Stichworte, die sich dann im ‘Stabat mater’ im 13. Jh. ausdrücken. Zu den kleineren Darstellungen gehören das Bild des Marias mit dem unbefleckten Herz über dem Benedikt-Altar und die Inschriften auf dem Chorbogen; ihr Wortlaut „Trösterin der Betrübten“ und „Helferin der Christen“ stammt aus der Lauretanischen Litanei.
Trotz dieser Fülle an Namen und Daten folgten die Zuhörenden gern den Erklärungen und wurden belohnt, indem sie den Kirchenraum nun mit mehr Wissen betrachten konnten. Im Vorjahr hatte Bernhard Rösch bereits das Marienbild des Hochalters analysiert und in seinen rätselhaften Inschriften erklärt.
Bernhard Rösch ist heute in der Schweiz als Kunsthistoriker tätig, sieht aber die Oberpfalz als seine zweite Heimat seit der Kinderzeit. Sein Vater stammte aus Gebenbach; die Familie machte regelmäßig Ferien auf dem Bauernhof des Bruders. Mit seiner Zeichenausrüstung war er immer wieder unterwegs und hielt zahllose Ansichten in Amberg und der Umgebung fest.