„Beichte - noch zeitgemäß“: Unter diesem Motto stand der Einkehrtag des KDFB Frauenbund Auerbach, der dieses Mal im Gemeindezentrum Welluck stattfand.
Als Referent konnte Prof. Dr. Hans-Georg Gradl von der Theologischen Fakultät in Trier gewonnen werden, der es verstand, die rund 45 Teilnehmer unterhaltsam, aber auch ernst in der Sache und vor allem praxisnah mit diesem doch recht schwierigen und teilweise strittigen Thema zu begeistern.

Das Motto wurde von den Frauenbundmitgliedern als Wunschvorgabe gewählt und entsprechend interessant und ambivalent gestalteten sich die Diskussionen und Erfahrungsberichte der Teilnehmer.
„Entschuldigung ist nicht Vergebung“ und „ohne Glaube keine Beichte“: zwei Kernaussagen, die erläutert wurden und viele Denkanstöße gaben.
Und Vergebung gehört zu Ostern. So wie die Auferstehung von Jesus den Tod besiegt, sollte die Vergebung bei der Beichte der Sieg über die getätigten „Sünden“ sein und einen Neubeginn ermöglichen.
Auch die Fragestellung, was denn Sünde ist, wurde in der Runde erörtert, ebenso wie die verschiedenen Varianten der Beichte (Beichtstuhl, Beichtgespräch, Bußgottesdienst).
Wesentlich für alle Modelle ist aber die Vorbereitung in Form von gedanklicher Auseinandersetzung und die Auswahl Zeit/Ort/Beichtvater. Nur so erfüllt die Beichte den eigentlichen Sinn und wird nicht zu einer lästigen Pflicht!

Als eindrucksvolles Beispiel für die Vergebung, die uns durch Gott zuteil werden kann, wurde ein in Stein gemeißeltes Relief aus dem 12. Jahrhundert aus der Kathedrale von Sainte-Marie-Madeleine vom Bildhauer Vézelay vorgestellt, genannt „Judas und der gute Hirt“.

Auf der einen Seite sieht man Judas mit aufgerissenen Augen und weit heraushängender Zunge, verzweifelt, hilf- und wehrlos am Strick an einem Baum hängen. Er hat sich – verstrickt in seine Schuld – umgebracht. Er wusste nicht mehr aus und ein. Er hat seinem Leben aus lauter Verzweiflung ein Ende gemacht.

Auf der anderen Seite des Kapitells sieht man, wie jemand den toten Judas vom Baum genommen, von seinen Verstrickungen befreit und auf seine Schultern gelegt hat. Nun trägt er ihn – wie ein Hirte das verletzte oder verlorene Schaf – und bringt ihn nach Hause.

Kein Zweifel, der Hirte ist der auferstandene Christus, der der den toten Judas aufnimmt, ihn heimholt und annimmt. Gott vergibt Judas!

Abgerundet wurde der Tag durch gemeinsames Essen und Kaffeetrinken, als Abschluss durch einen miteinander gebeteten Kreuzweg und anschließenden Gottesdienst mit musikalischer Begleitung.