Wie lange werden wir wohl noch den Volkstrauertag in dieser Form begehen können? Diese Frage wurde am Samstag in Weiherhammer und am Sonntag zuvor in Kaltenbrunn unter den wenigen Teilnehmern, auch von Seiten der Vereine, gestellt. Kaum jemand von der jungen Generation fühlt sich angesprochen.
„Es ist. Als lebten wir in einer Dauerkrise. Eine Katastrophe jagt die nächste. Wem kann ich trauen?” sagte Pfarrer Varghese Puthenchira beim Gedenkgottesdienst in der Kirche. Jesus wisse um diese Versuchung. Im Tagesevangelium wird er deutlich: „Viele werden kommen in meinem Namen und sagen: Ich bin`s! Lauft ihnen nicht nach!” Dieser Satz treffe uns auch heute, denn nie war es schwerer, zwischen Wahrheit und Täuschung zu unterscheiden, darum hinschauen, prüfen, unterscheiden” empfahl Puthenchira. Jesus verspreche kein einfaches Leben, aber seine Gegenwart – mitten im Chaos. Nicht die Abwesenheit von Leid, sondern die Gegenwart Gottes inmitten dessen. „Dies ist ein Aufruf, die Augen offen zu halten, zu vertrauen. Dieser Tag ist ein guter Moment, innezuhalten, zu trauern, aber auch zu fragen: Was trägt uns wirklich? Was führt zum Leben und was nicht?” schloss der Pfarrer.
Der Männerdreigesang unter Ulrike Rauch brachte unter Orgelbegleitung von Kantor Paul Leistner Teile der „Schubert-Messe”, „Schutzfrau des Bayernlandes” und „Herr schütze uns” eindrucksvoll zu Gehör. Im Schweigemarsch ging es zum Ehrenmal. „Es hat sich nichts geändert. Ich sehe es mit Besorgnis, wie Terror und Gewalt um sich greifen, Menschen in Kriegsgebieten leiden” betonte Bürgermeister Ludwig Biller mit dem Aufruf, besonnen aber entschieden für den Frieden, jeder an seinem Platz, einzutreten. Deshalb komme dem Volkstrauertag nach wie vor ein hoher Stellenwert zu.
Soldaten der RK Etzenricht hielten Ehrenwache. Zum Lied „Ich hatt` einen Kameraden”, intoniert von Solotrompeter Hans Rettinger, feuerten die Böllerschützen Meerbodenreuth mit der Kanone Salut.