Erinnerung – was heißt das? Für Peter Lehr steht fest: Erinnerung darf sich nicht auf oberflächlich-ritualisiertes „Zurückrufen” vergangener Ereignisse beschränken, sondern kann nur „in einem kulturellen Zusammenhang mit dem gegenwärtigen Geschehen” lehrende und identitätsstiftende Wirkung entfalten.
Bei der Gedenkfeier am Burkhardsreuther Gefallenenmahnmal, die den Auftakt der Hauptversammlung der Kreisgruppe Eschenbach des Bayerischen Soldatenbunds (BSB) setzte, warnte der Kreisvorsitzende vor „Geschichtsvergessenheit”. Eindringlich rief Lehr auf, sich der nationalen Geschichte” zu stellen, die weit über die Zeit des Nationalsozialismus hinaus zu „Trauer über die Opfer von Krieg und Gewalt”, zu „Toleranz, Völkerverständigung, Vorurteilslosigkeit und Frieden” und zum Respekt vor der Unantastbarkeit der Menschenwürde mahne: einem Respekt, der die „Kriegsgräberfürsorgepflicht des Volkes und seiner Repräsentanten” einschließe.
Für Kreisreservistenbetreuer Josef Horvath sind die Erfahrungen und Opfer aus Vergangenheit und Gegenwart vor allem ein Appell an den Soldatenbund, sich bewusst als „größte Friedensinitiative Bayerns” zu begreifen, in der keineswegs nur aktive und frühere Wehrdienstleistende einen Platz finden könnten. Die häufig zu hörenden Rufe nach „Kriegstüchtigkeit” setzten ein fragwürdiges Signal, bekräftigte er bei der Hauptversammlung im Gasthof „Zur Wirti”: „Wir brauchen nicht kriegstüchtig zu werden, denn wir wollen keinen Krieg. Was wir bleiben wollen und müssen, ist wehrtüchtig, wehrfähig – diese Wehrfähigkeit ist unser einziges Ziel, für das die Bundeswehr gegründet wurde.”
Den zunehmend „härteren, schrilleren und rücksichtsloseren” Ton in politischen und gesellschaftlichen Debatten beklagte BSB-Vize-Bezirksvorsitzender Thomas Semba. Gerade den Reservisten, die als Soldaten in besonderer Weise auf die freiheitliche Demokratie verpflichtet worden seien, obliege es, „Respekt vor den Menschen, Klarheit in der Sache und Maß im Ton” vorzuleben.