Handy, Navi, Klimabeobachtung, Alarmsysteme und vieles andere mehr sind Bestandteil unseres Alltagslebens. Aber kaum jemand denkt über die Technik nach, die das alles ermöglicht. Eine entscheidende Rolle spielt dabei der Weltraum. Dort haben auch die Europäer zwischenzeitlich zahlreiche Systeme aufgebaut. In einem Vortrag wurden diese vorgestellt.
Wer im Auto sein Handy als Navigationsinstrument verwendet oder beim Fitness-Tracking seine Lauf-, Rad- oder Wanderstrecke aufzeichnet, verwendet im Hintergrund meist automatisch das europäische Navigationssystem Galileo mit seinen europäischen Satelliten. Nahezu alle modernen Smartphones, die seit 2018 auf den Markt gekommen sind, arbeiten damit. Dabei ist Galileo nur ein einziges unter den zahlreichen Systemen des Weltraumprogramms der Europäischen Union. Bekannte Programme wie Copernicus oder EGNOS zählen zum Beispiel auch dazu. Dass diese alle verlässlich beim Endnutzer ankommen, dafür sorgt als zentraler Dienstleister die Agentur der Europäischen Union für das Weltraumprogramm (EUSPA). In einem Vortrag beim Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing in Weiden stellte Dr. Hannes Lachmann diese Agentur, ihren Wirkungskreis und die zentralen Komponenten des EU-Weltraumprogramms vor. „Was bringt uns der Weltraum? Die EUSPA und das Weltraumprogramm der Europäischen Union“ war der Vortrag überschrieben. Dr. Lachmann ist Nationaler Sachverständiger bei der EUSPA mit Hauptsitz in Prag. „Europa wollte sich mit der Entwicklung eigener Systeme unabhängiger machen, aber auch verbesserte Angebote bereitstellen“, betonte Dr. Lachmann gleich zu Beginn seines Vortrags und erinnerte beispielhaft an das in den USA entwickelte GPS-Navigationssystem. Drei zentrale Säulen umfasse das EU-Weltraumprogramm, und zwar Navigation, Erdbeobachtung und Satellitenkommunikation. Die Sicherheitsthemen zum Schutz dieser europäischen Weltrauminfrastruktur gehören, ebenso wie die Verbindung von Weltraumtechnologie mit der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, zum Aufgabengebiet der EUSPA. Anders als die US-Systeme sei das europäische Weltraumprogramm unter ziviler Kontrolle und darüber hinaus weitgehend kostenlos. Galileo zum Beispiel, das weltweit verfügbar ist, schaffe in seinem Basisdienst eine horizontale Genauigkeit von ein bis zwei Metern, in den Angeboten für professionelle Nutzer sogar bis zu zwanzig Zentimetern, erläuterte Dr. Lachmann. Mit dem europäischen System EGNOS werden Navigationsdienste präzisiert und robuster gemacht, sodass zum Beispiel Flugzeuge auch bei Nebel landen können. Das satellitengestützte EU-Erdbeobachtungssystem Copernicus sei längst unverzichtbar in vielen Einsatzbereichen wie Wetterbeobachtung, Luftverschmutzung, Stadtplanung und bei Naturkatastrophen. Beobachtet werden könne beispielsweise auch das Abschmelzen der Polkappen. In der Land- und Forstwirtschaft geht es um Bodenbeschaffenheit für Bewässerung oder um Borkenkäferrisiken. Selbst Google Maps arbeite zwischenzeitlich mit Copernicus, betonte Dr. Lachmann. Auch der Aufbau eines europäischen Satellitenkommunikationssystems war Thema des Vortrags. Anders als beim US-System Starlink von Elon Musk konzentriere man sich in Europa auf Schaffung sicherer Kommunikationssysteme für „kritische Fälle“, zum Beispiel bei Ausfall von Mobilfunkdiensten oder einer Schädigung wichtiger Infrastruktureinrichtungen. Zusammenfassend wurde festgestellt: „Es geht immer darum, zu zeigen und weiterzuentwickeln, was Weltraumdienste für Europa leisten können.“