Wie groß ist Australien – und welche Entfernungen musste Johann Flierl in seinen jungen Jahren zurücklegen? Diesen Fragen widmete sich Georg Pilhofer, Pfr. i. R., in seinem Vortrag über Flierls sieben Jahre im Norden Südaustraliens. Anhand eines Globus und verschiedener Kartenprojektionen verdeutlichte er die gewaltigen Ausmaße des Kontinents.
Die australischen Jahre waren für Flierl eine wichtige Lehrzeit. Bei seiner Arbeit mit indigenen Gemeinschaften sammelte er Erfahrungen, die ihn später in Neuguinea prägten. Seine erste Reise führte ihn zur Missionsstation Bethesda. Die Anreise erfolgte zunächst mit der Bahn, anschließend zu Fuß – oft über Hunderte von Kilometern. Schweres Gepäck transportierte ein Pferdefuhrwerk, damals als „Lastwagen“ bezeichnet.
Auf Bethesda lernte Flierl die Sprache der Dieri und hielt um die Hand von Luise, der Tochter des Pastors Aurich, an. Da sie noch zu jung für eine Heirat war, entstand ein reger Briefwechsel, der ihm die einsamen Stunden auf der Missionsstation erleichterte.
Zu seinen Aufgaben gehörte auch der Bau einer Kirche. Nachdem ein Besuchskomitee der Kirchenleitung seinen Aufenthalt beendet hatte, begleitete er die Verantwortlichen nach Süden, wo schließlich die Hochzeit mit Luise stattfand. Das junge Paar kehrte mit der Bahn nach Bethesda zurück. Luise übernahm dort die Orgel bei den deutschsprachigen Gottesdiensten.
Als Flierl erfuhr, dass Kaiser-Wilhelmsland in Neuguinea deutsche Kolonie geworden war, fühlte er sich berufen, dort missionarisch tätig zu werden. Über Nord-Queensland gelangte er nach Cooktown, wo er zunächst eine weitere Missionsstation gründete. Schließlich erhielt der Kapitän die Anweisung, Flierl kostenlos erster Klasse nach Finschhafen zu bringen. Auch die Mitarbeiter der Neuguinea-Kompanie sollten sein Vorhaben unterstützen.
Der Vortrag zeichnete eindrucksvoll den Weg eines Mannes nach, dessen australische Jahre von weiten Reisen, persönlichem Einsatz und prägenden Erfahrungen bestimmt waren – und der schließlich zu seiner Lebensaufgabe in Neuguinea aufbrach.