Innsbruck bleibt immer rechts liegen, wenn man über den Brenner fährt. Nicht so beim beim 2-Tages-Ausflug der Kolpingsfamilie Neunkirchen. Das Zentrum war das Ziel. Als Erstes die Glockengießerei Grassmayr. Über 400 Jahre Erfahrung hat dieses Familienunternehmen angehäuft und hütet dieses angesammelte Wissen wie einen kostbaren Schatz. Damit es so bleibt, ist der wichtigste Computer nicht mit dem Internet verbunden. Nebenbei erfuhren wir, wie wichtig Bier, Mist und Haare vom Kalb für die Entstehung einer Glocke sind, und warum die Form wie in Schillers Gedicht von der Glocke „fest gemauert in der Erden“ sein muss. Wer wollte, konnte im Klangraum akustische Experimente durchführen.
Weiter ging es zur Stadtführung in die Gassen der Altstadt, beginnend bei der Innbrücke. Was durfte nicht fehlen? Natürlich das Goldene Dachl, die Kaiserliche Hofburg und der Dom. Und immer wieder Blicke auf die hohe Karwendelkette im Norden und die Bergisel-Sprungschanze im Süden.
Tag 2 hielt eine Überraschung bereit: Dieser letzte Sonntag im September gilt seit 2015 als „Sonntag der Völker“. Dementsprechend vielsprachig lief der Gottesdienst im Dom ab, den Präses Pfarrer Thomas Kohlhepp als Konzelebrant mitfeierte. Die afrikanische Gemeinde sang beim Einzug. Fürbitten in Ukrainisch, Indisch, Philippinisch, Italienisch, Kroatisch, Polnisch und Albanisch. „Ihr alle seid ein Zeichen der Hoffnung und der Versöhnung in dieser verwundeten Welt, denn bei Gott gibt es kein ‚FIRST‘, er schaut auf jeden von uns“, sagte Bischof Hermann Glettler in seiner ermutigenden Predigt. Das Vaterunser betete jeder Gottesdienstteilnehmer in der eigenen Muttersprache.
Schwester Elisabeth führte uns nach dieser emotionalen Feier in die modern gestaltete Unterkirche, in dem ein Zebrastreifen im Granitboden in Richtung Altar den Weg der Getauften zur Eucharistiefeier symbolisiert. Sie erzählte die Geschichte des weltbekannten und oft kopierten Marienbildes „Mariahilf“ von Lucas Cranach, welches von Dresden über Umwege nach Innsbruck gelangte und schließlich seinen Platz im Hochaltar des Doms fand.
Nur einen Katzensprung vom Dom St. Jakob liegt das Stift Wilten. Eine Führung durch das Prämonstratenserkloster am Fuße des Bergisels setzte den Schlusspunkt der Fahrt. Auf römischen Ruinen entstanden, gilt die Stiftskirche als eine der bedeutendsten kulturgeschichtlichen Sakralbauten Tirols. Chorherr Nikolaus Albrecht führte durch den Kreuzgang, die Bibliothek und die Kirche. Er plauderte auch ein wenig aus dem Nähkästchen, was die Finanzen und das Klosterleben betraf.
Die Vorsitzenden Petra Teichner und Beate Suttner hatten das Programm perfekt zusammengestellt. Durch acht Kuchenspenden wurden alle Teilnehmer bei den Kaffeepausen gut versorgt. „Gemeinsam macht der Weg mehr Freude“, hatte Petra Teichner in ihrer Begrüßung bei Fahrtantritt gesagt. Recht hatte sie.