In Südfrankreich ist man auf den Moorschutz im Fichtelgebirge aufmerksam geworden: Der unabhängige Radiosender Radio Zinzine hat während einer Reportagereise durch Deutschland und Mitteleuropa das Projekt „MoorGen Fichtelgebirge – Moore für Generationen“ entdeckt. Aus dem Interesse wurde ein Besuch vor Ort, bei dem das französische Radioteam mit zwei Mitarbeiterinnen des MoorGen-Projekts im Ehewald bei Nagel unterwegs war.
Für den Sender, der sich seit einigen Jahren in einer monatlichen Sendung mit dem Klimawandel beschäftigt, passte das Projekt gut zur aktuellen Reise. Unter dem Titel „Regards croisés“ verbinden die Gäste Radioreportagen mit den Bildern des Fotografen Nicolas und erkunden dabei Orte, Menschen und Veränderungen der Umwelt aus zwei Perspektiven. An MoorGen interessierte die Journalisten besonders, wie die Wiedervernässung von Mooren zum Klimaschutz beitragen und zugleich Wasser in der Landschaft halten, Artenvielfalt bewahren und die Folgen von Trockenheit und heftigen Regenfällen abmildern kann.
Das Gespräch im Ehewald bot Gelegenheit, diese Zusammenhänge dort zu erläutern, wo die Arbeit des Projekts ansetzt. Dass dafür ein Radioteam aus Südfrankreich ins Fichtelgebirge kommt, zeigt auch: Die regionalen Maßnahmen geben Antworten auf Herausforderungen, die weit über die Landkreisgrenzen hinausreichen.
Während die französischen Gäste ihre Eindrücke für die Reportage mitnehmen, wird im Fichtelgebirge bereits weitergearbeitet. Im Kirchleinsgrund bei Selb kommt derzeit ein Bagger zum Einsatz, um einen Teich wieder anzulegen und damit den Wasserrückhalt zu verbessern. Was auf den ersten Blick nach einem großen Eingriff in die Landschaft aussieht, dient dem Schutz und der Wiederherstellung natürlicher Wasserverhältnisse: Der Teich soll den Abfluss verlangsamen, sodass mehr Wasser in der Fläche bleibt und den bestehenden Feuchtlebensräumen sowie den angrenzenden Bereichen zugutekommt.
Gerade an heißen Sommertagen, wenn Böden austrocknen und Regen längere Zeit ausbleibt, wird der Nutzen solcher Maßnahmen greifbar. Sie folgen dem Prinzip einer Schwammlandschaft, die Wasser aufnimmt, speichert und langsam wieder abgibt.
Das Projekt „MoorGen Fichtelgebirge – Moore für Generationen“ verbindet Klima-, Wasser- und Artenschutz in 26 Projektgebieten. Unter Federführung des Zweckverbands Interkommunales Flächenmanagement arbeiten der Landkreis Wunsiedel i. Fichtelgebirge und der Landschaftspflegeverband Wunsiedel e. V. daran, Moorflächen zu sichern, wiederzuvernässen und dauerhaft zu pflegen. Das bis Ende 2028 angelegte Vorhaben wird mit mehr als drei Millionen Euro aus Mitteln des Bayerischen Umweltministeriums und des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung unterstützt. Weitere Informationen gibt es unter www.moorgen-fichtelgebirge.de