Amberg. Es sind knapp 150 Gräber, die auf dem Katharinenfriedhof an die Opfer vergangener Kriege erinnern. Für die meisten Besucher sind sie ein stiller Teil des Friedhofs. Für die Mitglieder der Kurfürstlichen Schlosswache zu Amberg e.V. sind sie eine Aufgabe, die sie seit mehr als zehn Jahren mit großem persönlichem Engagement wahrnehmen. Zweimal im Jahr nehmen sie sich der Kriegsgräberanlage an – und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Amberger Erinnerungskultur.
Seit 2015 kümmert sich die Kurfürstliche Schlosswache um die Pflege der Anlage. Übernommen hatte der historische Verein diese Aufgabe von der Militärkameradschaft. Deren Mitglieder waren im Laufe der Jahre immer älter geworden und konnten die umfangreichen Arbeiten schließlich nicht mehr in der bisherigen Weise leisten. Für die Schlosswache war schnell klar: Die Erinnerung an die Gefallenen darf nicht daran scheitern, dass diejenigen, die sich bisher darum gekümmert haben, diese Aufgabe nicht mehr bewältigen können. Mit ihren jüngeren Mitgliedern führt die Schlosswache das Engagement deshalb bis heute fort.
Unterstützt wird der Verein dabei von der Bundeswehr aus Kümmersbruck unter der Leitung von Stabsbootsmann Ritz. Wenn die Mitglieder der Schlosswache zur Kriegsgräberanlage kommen, steht zunächst viel praktische Arbeit an. Die Gräber werden von den Spuren der Witterung befreit, die Platten von Gras und Moos gereinigt und die Wege und Flächen gepflegt. Büsche werden zurückgeschnitten und die gesamte Anlage wieder in einen würdigen Zustand versetzt. Die Kreuze werden sorgfältig gereinigt und anschließend eingeölt, um sie vor den Einflüssen der Witterung zu schützen. Zweimal jährlich wird diese umfangreiche Pflege durchgeführt. Doch die Arbeit endet nicht mit dem Putzen, Schneiden und Instandhalten. Wenn der Herbst kommt und Allerheiligen sowie der Volkstrauertag näher rücken, beginnt für die Vereinsmitglieder ein weiterer wichtiger Teil ihres Ehrenamtes: Für jedes einzelne Grab fertigen sie Gestecke an. Diese werden anschließend an den Gräbern niedergelegt.
Am 18. Oktober 2026 kamen die Mitglieder der Kurfürstlichen Schlosswache zum gemeinsamen Kränzebinden zusammen. Besonders freute sich der Verein über den Besuch von CSU-Bezirksrat und Stadtrat Martin Preuss, der das ehrenamtliche Engagement mit herzlichen und anerkennenden Worten würdigte. Als zusätzliche Motivation hatte er ein Paket mit Süßigkeiten mitgebracht – eine willkommene „Nervennahrung” für die fleißigen Helfer und eine aufmerksame Geste, die großen Anklang fand. Sein Zuspruch war für die Mitglieder eine besondere Motivation. Preuss machte deutlich, dass ihm die Bewahrung der Erinnerung ebenso am Herzen liegt wie der Schlosswache. Auch für ihn ist die Kriegsgräberanlage ein Mahnmal gegen Krieg und Gewalt. Ihre Pflege und das Gedenken an die Verstorbenen versteht er als wichtige gesellschaftliche Aufgabe.
Für die Mitglieder war dieser Besuch ein ermutigendes Zeichen der Wertschätzung. Er bestärkte sie darin, ihr Ehrenamt mit Überzeugung fortzuführen und die Erinnerung auch an kommende Generationen weiterzugeben. Es ist ein Zeichen des Respekts gegenüber den Menschen, die dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Gleichzeitig soll das Gedenken an die Folgen von Krieg und Gewalt wachgehalten werden.
„Zukunft braucht Herkunft” Für die Kurfürstliche Schlosswache ist die Pflege der Kriegsgräber deshalb eine echte Herzensangelegenheit. Ihr Vereinsmotto „Zukunft braucht Herkunft” könnte kaum besser zu dieser Aufgabe passen. Denn Erinnerung bedeutet für die Mitglieder nicht, in der Vergangenheit stehen zu bleiben. Im Gegenteil: Wer sich mit der Vergangenheit auseinandersetzt, kann daraus Verantwortung für die Zukunft übernehmen. Die Kriegsgräber sind dabei mehr als historische Zeugnisse. Sie sind Mahnmale. Hinter jedem Grab steht ein Mensch, ein Leben und eine Geschichte. Und hinter der großen Zahl der Gräber steht die unmissverständliche Erkenntnis, welches Leid Kriege über Menschen und ihre Familien bringen. Gerade deshalb möchten die Mitglieder der Schlosswache die Erinnerung auch an die jüngeren Generationen weitergeben. Die Pflege der Anlage soll nicht nur dafür sorgen, dass die Gräber ordentlich und würdevoll aussehen. Sie soll auch eine Botschaft vermitteln: Es darf nicht wieder so weit kommen wie damals. Ein Mahnmal in unruhigen Zeiten Dieser Gedanke bekommt angesichts der aktuellen Weltlage eine besondere Bedeutung. Während auf dem Katharinenfriedhof an die Opfer vergangener Kriege erinnert wird, gibt es heute erneut bewaffnete Konflikte und Menschen, die durch Krieg ihre Heimat, ihre Angehörigen oder ihr Leben verlieren. Für die Mitglieder der Schlosswache ist das erschreckend und zugleich ein Grund mehr, die eigene Arbeit fortzuführen. Denn die Kriegsgräber sollen nicht nur an das erinnern, was war. Sie sollen auch daran mahnen, was niemals wieder geschehen darf. So verbindet die ehrenamtliche Arbeit der Schlosswache drei Generationen: diejenigen, die einst die Pflege der Gräber übernommen hatten, die heutigen Mitglieder des Vereins und die jungen Menschen, denen die Erinnerung weitergegeben werden soll. Was dabei entsteht, ist ein stilles Zeichen gegen das Vergessen. Keine große Bühne, kein lautes Auftreten – sondern viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit, mit denen die Mitglieder der Kurfürstlichen Schlosswache dafür sorgen, dass die Gefallenen auch Jahrzehnte später nicht vergessen werden.
„Zukunft braucht Herkunft” ist für die Schlosswache deshalb mehr als ein Vereinsmotto. Es ist ein Auftrag: Geschichte bewahren, der Toten gedenken und aus der Vergangenheit die Verantwortung für eine friedliche Zukunft ableiten.