Eslarn. Nachdem das 125-jährige Jubiläum coronabedingt ausgefallen war, holten die „Eslarner in München“ ihre Feier in der Heimat nach. Rund 30 Mitglieder und Freunde waren mit dem Bus nach Eslarn gekommen, um auf 130 Jahre Vereinsgeschichte und gelebte Heimatverbundenheit zurückzublicken.
Den Auftakt bildete eine Festmesse in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Pfarrer Udo Klösel begrüßte besonders Pater Felix Meckl, der aus Eslarn stammt und heute die Hochschulseelsorge der Katholischen Studierendengemeinde in Berlin leitet. Gemeinsam mit Klösel und Pfarrvikar Dr. Basil Bazir Ngwega zelebrierte er den Gottesdienst. Die musikalische Gestaltung übernahmen der Dreigesang und Organistin Martina Brenner. In seiner Predigt stellte Pater Meckl das Bibelwort „Bleibt in mir und ich in euch“ in den Mittelpunkt. Vor 130 Jahren hätten viele Menschen Eslarn aus wirtschaftlichen Gründen verlassen. In der Fremde gründeten sie Vereine, um Traditionen und Bräuche zu bewahren und die Verbindung zur Heimat zu pflegen. „Es ist immer schön, in die Heimat zu kommen, wo man liebe Menschen trifft“, betonte Meckl. Heimatvereine bauten Brücken zwischen Menschen mit unterschiedlichen Ansichten. Zusammenhalt, ehrliches Gespräch und gemeinsame Verantwortung seien wichtiger denn je. Kassiererin Gretl Thomas erinnerte an die 29 verstorbenen Vereinsmitglieder. Für jeden Verstorbenen wurde eine Kerze entzündet. Die Lesung übernahm die zweite Vorsitzende Berta Ertl.
Beim anschließenden Ehrenabend im Gasthof „Böhmerwald“ begrüßte Vorsitzender Heinrich Kleber die Mitglieder und Ehrengäste. Sein besonderer Dank galt Bürgermeister Thomas Kleber, Pfarrer Udo Klösel sowie den Familien Sterr und Roth für die Bewirtung.
Bürgermeister Thomas Kleber überbrachte die Glückwünsche des Marktes Eslarn. „Wir ehren heute nicht nur einen Verein, sondern wir feiern 130 Jahre Verbundenheit, gelebte Gemeinschaft und Heimat im Herzen.“ Er erinnerte an die erste offizielle Heimfahrt im Jahr 1935 und an die wechselnden Anreisemöglichkeiten mit dem Bocklzug und Bus. Heimat sei mehr als ein Ort auf der Landkarte – sie lebe von den Menschen und gemeinsamen Erinnerungen.
Dieter Ganzenmüller, Vorsitzender der ARGE Oberpfälzer Heimatvereine, blickte auf die Entstehung der Heimatvereine und ihre Bedeutung für Menschen zurück, die ihre Heimat aus beruflichen Gründen verlassen hatten. Zugleich verwies er auf die Schwierigkeit, jüngere Mitglieder für die Vereinsarbeit zu gewinnen. Glückwünsche überbrachten auch Gregor Härtl für die Kolpingsfamilie mit einem Geschenkkorb, und Dominik Brenner überreichte im Namen des Oberpfälzer Waldvereins einen Gutschein.
Schriftführer Georg Lindner erinnerte an die Vereinsgründung am 26. November 1896. 1933 wurde die Vereinsfahne geweiht, ab 1937 durften auch gebürtige Eslarner Frauen Mitglied werden. Heute zählt der Verein rund 50 Mitglieder bei einem Durchschnittsalter von etwa 75 Jahren. Seit 2017 steht Heinrich Kleber an der Spitze. Besonders stolz ist der Verein auf seine beiden 100-jährigen Mitglieder Hildegard Zierer und Maria Elblein.
Ein Höhepunkt waren die Ehrungen langjähriger Mitglieder. Der ehemalige Vorsitzende Otto Wild erhielt für 40-jährige Mitgliedschaft eine Urkunde und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Auch Vorsitzender Heinrich Kleber wurde für seinen jahrzehntelangen Einsatz zum Ehrenmitglied gewählt. Seit 1981 gehört er dem Verein an, seit 2017 führt er ihn als erster Vorsitzender. Die zweite Vorsitzende Berta Ertl würdigte sein Engagement, seine Zuverlässigkeit und sein stets offenes Ohr für die Mitglieder.
Eine besondere Auszeichnung galt Karl Ertl, genannt „Bepp“, der seit 1966 dem Verein angehört und auf 60 Jahre Mitgliedschaft zurückblickt. Neben verschiedenen Funktionen engagiert er sich mit Zeichnungen und Bildern von Eslarner Gebäuden und Landschaften für die Bewahrung der Heimatgeschichte.
Für musikalische Unterhaltung sorgten Manfred Wild mit seinem Bariton und Gerhard Reber am Akkordeon. Humorvolle Einlagen lockerten den Ehrenabend auf. Gemeinsam sangen die Gäste das Eslarner Heimatlied „Am Fuße des schönen Böhmerwaldes“ und die Bayernhymne.
Zum Abschluss dankte die zweite Vorsitzende Berta Ertl allen Mitgliedern, Ehrengästen und Helfern. Vor der Heimfahrt besuchten die Teilnehmer den Friedhof, legten an der Gedenktafel eine Blumenschale nieder und gedachten der verstorbenen Vereinsmitglieder. Die nächste Jahreshauptversammlung findet am 20. Januar 2027 statt.