Auch wenn Leonhard Cohen bereits seit zehn Jahren tot ist, seine Lieder und Texte bleiben im Bewusstsein sehr vieler Menschen nach wie vor tief verankert. In der vollbesetzten Michaelskirche in Weiden war dies eindrucksvoll zu erleben.
Noch besser kann man das Leben, die Texte und die Musik des Poeten und Liedermachers Leonhard Cohen einem Publikum an einem Abend wohl kaum vermitteln. Uwe Birnstein war es, dem dieses Kunststück in einfühlsamer und die Zuhörer begeisternder Art und Weise gelungen ist. Dazu hatte der Freundeskreis der Evangelischen Akademie Tutzing zusammen mit dem evangelischen Bildungswerk Oberpfalz eingeladen. Standing Ovations sowie Hunderte Mitsinger waren die Beweise für den Erfolg des Abends. Mit Bescheidenheit, die auch sein Vorbild Leonhard Cohen immer zeigte, überschrieb Birnstein seine Aufführung lediglich mit dem Begriff „Konzertlesung“. Tatsächlich vorgelesen hat er wenig, dafür aber frei, anschaulich und kurzweilig Episoden aus dem Leben von Leonhard Cohen erzählt und viel gesungen. Die Lieder, die der Gesangspoet Cohen in seinen jeweiligen Lebensphasen schrieb, interpretierte der Theologe und Publizist Birnstein mit eindringlicher Stimme perfekt und professionell. Dabei begleitete er sich selbst mit der Gitarre. Schon jeweils nach den allerersten Gitarrenklängen war zu erkennen, welcher Cohen-Song eingeleitet wurde. Nur auf den Hut, wie ihn Leonhard Cohen trug, hat Birnstein verzichtet, wohl um die Unterschiede nicht ganz zu verbergen. Fast alle der bekanntesten Lieder von Leonhard Cohen wurden vorgetragen, angefangen von „Suzanne“ über „Like a bird on a wire“ und „So long Marianne“ bis hin zu dem Welthit „Halleluja“. Zu sehen war, dass die meisten Besucher des Abends beim Eintauchen in die Gefühlswelt der Lieder tief ergriffen waren. So bestätigte sich ein Satz von Birnstein: „Songs von Leonhard Cohen strahlen Ruhe aus und lassen uns aus dem Alltag aussteigen“. Und er meinte auch, dass Cohen bei seinen Auftritten eine „mit Demut verbundene Traurigkeit“ verbreitet hat. Birnstein erläuterte, dass mehrere Lieder von Cohen, wie zum Beispiel „Suzanne“, während einer Liebesbeziehung geschrieben wurden. Häufig komme auch Jesus in den Liedern vor, obwohl Cohen lebenslang dem Judentum angehörte. Das beschrieb Birnstein mit dem Satz „Leonhard Cohen hat in Liebesgeschichten Strophen über Jesus eingestreut“. In anderen Liedern sei Cohen vom Alten Testament („Halleluja“) oder von den nationalsozialistischen Verbrechen („Dance me to the end of love“) inspiriert worden. Aus dem Song „Lover, lover, lover“ kommen persönliche Erlebnisse Cohens bei Auftritten vor israelischen Soldaten an der Front des Jom-Kippur-Kriegs zum Ausdruck. Auch über die verschiedenen längeren Lebensphasen von Leonhard Cohen wurden die Besucher informiert. So über Kindheit und Jugend in Montreal, über Jahre auf der griechischen Insel Hydra zusammen mit seiner Partnerin Marianne Ihlen und über Cohens Zeit in einem buddhistischen Kloster. In der Meditation im Kloster sei Cohen von seinen häufigen Depressionen geheilt worden. Zuletzt habe er aus Geldnot sieben Jahre lang eine Tournee durch die ganze Welt durchgeführt. Am Ende seines Lebens kehrte er gedanklich wieder zu seiner ersten langjährigen großen Liebe Marianne zurück. Als er von ihrem bevorstehenden Tod erfuhr, schrieb er ihr: „Marianne, wir sind beide in dem Alter angekommen, da unsere Körper langsam angehen zu vergehen – ich denke, dass ich dir bald folgen werde“. Und er schrieb auch: „Jetzt wünsche ich dir eine gute Reise. Good Bye, meine liebe Freundin. In unendlicher Liebe, ich sehe dich bald“. Kurz danach waren beide tot. Mit diesem Text endete auch der Abend.