Große Aufmerksamkeit fand der kurzweilige Festvortrag von Renate Feuchtmeyer, staatliche Fachberaterin für Bienenzucht in der Oberpfalz, am 125.Geburtstag des Imker- und Bienenzuchtvereins (IBZV) Kaltenbrunn. Zum Thema „Was Bienen und Menschen am Honig schätzen” ging Feuchtmeyer auf die Inhaltsstoffe des Honigs ein, die auch als Allheilmittel dienen. Dazu zählen die Aminosäuren, Fettsäuren, organische Säuren, Mineralien, Vitamine und 150 nachgewiesene Proteine. „Bei der Weitergabe des eingetragenen Nektars und Honigtaus im Bienenstock fügen die Bienen mit ihrem Speichel körpereigene Enzyme zu, und entziehen gleichzeitig Wasser. Erst dadurch könne Honig entstehen”, erklärte die Referentin.
„Bienenleben ist ein hartes Leben” betonte Feuchtmeyer. Schließlich flögen sie für 500g Honig dreimal um die Erde! Ein Bienenvolk verbraucht im Jahr circa 72kg Honig als „Flugbenzin”. Desweiteren benötigen die Bienen Zucker als Rohstoff für die Wachsproduktion. Für 1kg Wachs im Jahr sind 10-13 kg Honig erforderlich. Die kleinen Tiere sind in der Lage, ihr Nest zu kühlen und zu heizen. Für diese „Klimaanlage” benötigen sie ebenfalls Energie, die sie sich aus dem Honig holen. So hat ein Bienenvolk einen Eigenbedarf von rund 80kg jährlich, also das dreibis vier-fache des vom Imker entnommenen Honigs.
Seit wann erntet der Mensch Honig? Diese Frage beantwortete die Expertin mit Zeugnissen aus der Zeit etwa um 10000 vor Christus. Auch im Alten Testament wird die Bedeutung von Honig vielfach erwähnt. Um 800 im Mittelalter ließ Karl der Große die Bienenstände anlegen. Honig und getrocknete Früchte waren die einzigen Süßungsmittel, mit der Folge: Teurer Honig, zuckerarme Ernährung. Erst durch den Zuckerrübenanbau in Europa nahm der Zuckerkonsum stetig zu. Der Pro-Kopf-Verbrauch liegt heute bei 30 kg, der von Honig dagegen bei knapp 1kg.
„Honig im Getränk gelöst ist ein natürlicher Energydrink” bemerkte Feuchtmeyer. Sir Edmund Hillary hatte bei Erstbesteigung des Mount Everest 6kg Honig im Gepäck! „Nutzt euer Produkt, in dem mehr als 180 Aroma-Stoffe identifiziert sind, auch selbst als Heilmittel und auch noch mehr die Beschreibung!” bat Feuchtmeyer und empfahl die etwas herberen Honige zu Käse. Nicht zuletzt sichert Honig unseren Bienen das Überleben und uns Menschen ein hervorragendes Genussmittel, das eine größere Wertschätzung verdient. Und ganz nebenbei und kostenlos bestäuben die Bienen beim Nektarsammeln die Blütenpflanzen. Wie wichtig dies den Menschen schon früher war, zeigt der Spruch: „Und wäre nicht der Bauer – so hätten wir kein Brot und wäre nicht die Biene – so hätt der Bauer Not!” Danach gab es großen Schlussapplaus.