Im voll besetzten Saal der Regionalbibliothek Weiden stellten die beiden Herausgeber Annette Kraus und Prof. Dr. Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, am Dienstag, den 03.11.2026 um 19 Uhr die neueste Publikation der KZ-Gedenkstätte erstmals nach der Premiere auf der Frankfurter Buchmesse in Weiden vor. Das Schicksal des Journalisten und Komponisten Fritz Seemann, seine gescheiterte Flucht aus der Tschechoslowakei und sein Tod 1942 im Konzentrationslager Flossenbürg, machte alle Zuhörer sehr betroffen. Die Suche seines Sohnes nach Lebensspuren seines Vaters in Flossenbürg veranlasste Annette Kraus, die als Autorin, Lektorin und Übersetzerin für Museen und Medien arbeitet, zu unermüdlichen, umfangreichen Recherchen. Fritz Seemann war in den 1930er Jahren Redakteur beim Prager Tagblatt, der größten deutschsprachigen Tageszeitung in der Tschechoslowakei. Trotz seiner jüdischen Herkunft besuchte er bis 1934 mehrmals Deutschland, um über den Aufstieg Hitlers zu berichten. Spott über die brachiale Propaganda der Nationalsozialisten wich bald der Bestürzung über die schnelle Errichtung der Diktatur und die einsetzende Verfolgung von Jüdinnen und Juden. In dieser Zeit korrespondierte Seemann mit dem Astronomen Arthur Beer in London. Der anfangs private Austausch entwickelte sich zur planmäßigen Suche nach einer Fluchtmöglichkeit. Das Münchner Abkommen 1938 und die Okkupation der Tschechoslowakei im März 1939 stellten beide vor immer größere Hürden. Der Briefwechsel, aus dem Annette Kraus und Prof. Jörg Skriebeleit vorlasen, greifen mit Fritz Seemanns Zeitungstexten aus den frühen 1930er Jahren ineinander, lassen, gerahmt von Fotos, Dokumenten und Informationen zur Biografie, das Porträt eines zweisprachigen Intellektuellen in der Tschechoslowakei der Zwischenkriegszeit entstehen. Darüber bietet das Buch Innenansichten in die letzten Jahre des Prager Tagblatts und die verzweifelten Versuche vieler Menschen, den Fängen der Nationalsozialisten zu entkommen.