Jörg Fischer begeisterte die Gemeinschaft Sankt Georg Rosenberg mit einem spannenden und humorvollen Vortrag
Einen ebenso ungewöhnlichen wie unterhaltsamen Vortragsabend erlebten die Mitglieder der Gemeinschaft Sankt Georg Rosenberg am Samstag, dem 17. November, in den Räumen des Schützenvereins Edelweiß in Obersdorf. Die (Alt-)Pfadfinder der Gemeinschaft Rosenberg durften Jörg Fischer als Referenten begrüßen, der sich intensiv mit der Geschichte der Unterwäsche vom Mittelalter bis zur Neuzeit beschäftigt hat. Mit zahlreichen interessanten Einblicken, amüsanten Anekdoten und anschaulichen Exponaten gestaltete er einen kurzweiligen Abend, der bei den Zuhörern für Erstaunen und so manches Schmunzeln sorgte. Jörg Fischer, geboren in Kronach, ist sowohl als Schriftsteller als auch als Verfasser geschichtlicher Publikationen tätig. Seit 2024 leitet er das Stadtarchiv Sulzbach-Rosenberg. Bei seinem Vortrag bewies er eindrucksvoll, dass auch ein vermeintlich alltägliches Thema wie Unterwäsche einen spannenden Zugang zur Geschichte eröffnen kann.
Unterwäsche als Spiegel der Gesellschaft
Unterwäsche war und ist weit mehr als ein Kleidungsstück, das gewöhnlich unter der übrigen Kleidung verborgen bleibt. Sie spiegelt die sozialen Verhältnisse, die hygienischen Möglichkeiten und die Schönheitsideale ihrer jeweiligen Zeit wider. Während sich Unterwäsche im heutigen Sinne früher vor allem wohlhabende Menschen leisten konnten, musste der einfache Bürger mit deutlich weniger auskommen. Häufig standen lediglich ein oder zwei Hemden zur Verfügung, die abwechselnd tagsüber und nachts getragen wurden. Besonders abwechslungsreich gestaltete sich die Geschichte der Damenunterwäsche. Im Mittelalter betrachteten manche Gelehrte und Kleriker den weiblichen Körper als eine vermeintlich „unvollkommene Natur“. Später prägten Korsetts und andere formende Kleidungsstücke das weibliche Erscheinungsbild. Sie sollten den Körper dem jeweils geltenden Schönheitsideal anpassen und eine gewünschte Silhouette erzeugen. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich jedoch nicht nur die Vorstellungen von Schönheit, sondern auch die praktischen Anforderungen an die Bekleidung. Das weibliche Beinkleid wurde zunehmend funktionaler. Ein besonders kurioses Beispiel dafür ist der sogenannte „Stehbrunzer“, auch als Brunzhose oder Stehbrunzhose bekannt.
Der „Stehbrunzer“ sorgte für Schmunzeln
Diese besondere Form der Hose besaß im Schritt keine geschlossene Naht, sondern eine durchgehende, schlitzartige Öffnung. Sie sollte Frauen das Urinieren erleichtern, ohne dass sie die gesamte Unterwäsche ausziehen mussten. Gerade bei den vielen schweren Röcken und Unterröcken früherer Zeiten war dies ein durchaus praktischer Vorteil. Mit solchen anschaulichen Beispielen gelang es Fischer, die Zuhörer auf eine ebenso informative wie humorvolle Reise durch die Geschichte zu führen. Verschiedene interessante Anschauungsexponate lockerten den Vortrag zusätzlich auf und machten die Entwicklung der Unterwäsche buchstäblich greifbar. Dabei wurde deutlich, dass weibliche Unterwäsche – heute gerne auch als Dessous bezeichnet – bis heute einem wechselnden Zusammenspiel unterschiedlicher Anforderungen unterliegt: Witterungsschutz und Hygiene spielen ebenso eine Rolle wie Mode, gesellschaftliche Vorstellungen und die Betonung weiblicher Reize. Nicht zuletzt entscheidet auch der jeweilige Geldbeutel darüber, welche Wünsche sich erfüllen lassen. Und wie sieht es bei den Männern aus? Hierzu hatten einige Damen aus der Runde eine klare, wenn auch augenzwinkernde Meinung: Bei der männlichen Unterwäsche und deren Gestaltung habe sich über die Jahrhunderte offenbar erstaunlich wenig getan. Diese Einschätzung sorgte für zusätzliche Heiterkeit.
Geschichte, Geselligkeit und ein kräftiger Eintopf
Nach so viel Geschichte und Unterhaltung sollte natürlich auch das leibliche Wohl nicht zu kurz kommen. Unter fachkundiger Anleitung wurde gemeinsam ein herzhafter Eintopf zubereitet, der im Anschluss in geselliger Runde serviert wurde und allen schmeckte. So verband der Abend auf gelungene Weise Wissenswertes, Humor und gemeinschaftliches Erleben. Die Mitglieder der Gemeinschaft Sankt Georg Rosenberg konnten einen Vortrag mit ungewöhnlichen Einblicken in die Kulturgeschichte genießen und den Abend anschließend bei gutem Essen und anregenden Gesprächen gemütlich ausklingen lassen.