Einen Nachmittag ganz im Zeichen der Festwoche zur Wiedereröffnung der Stadtpfarrkirche Maria Immaculata erlebten die Besucherinnen und Besucher der Gruppe Senioren 60+. Das Pfarrheim war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Dekan Alexander Hösl die zahlreichen Gäste herzlich willkommen hieß. In seinem Gruß blickte der Dekan noch einmal auf den vergangenen Sonntag mit dem festlichen Gottesdienst und der beeindruckenden Orchestermesse zurück und gab zugleich einen Ausblick auf die weiteren Veranstaltungen der Festwoche. Meditationen, Begegnungen und ein Kirchenkonzert laden in den kommenden Tagen dazu ein, das frisch renovierte Gotteshaus immer wieder neu zu erleben. Ein besonderer Dank galt Kuni Hanauer und ihrem Team, die den gemütlichen Kirchweihnachmittag vorbereitet hatten. Und der machte seinem Namen alle Ehre. Schon bald zog ein verführerischer Duft durch das Pfarrheim. Kirchweihkuchen, Kücherl und die besonderen oberpfälzischen Schoitenkücherl standen bereit. Bei Kaffee und Kuchen wurde erzählt, gelacht und so manche Erinnerung ausgetauscht. Kuni Hanauer freute sich über den großen Zuspruch und dankte besonders den fleißigen Kücherl-Bäckerinnen, die dabei lieber ungenannt bleiben wollten. Kirchengeschichte zum Anfassen
Nach dem Kaffeeklatsch machte sich die Gruppe gemeinsam mit Michaela Wolfinger auf den Weg zur Stadtpfarrkirche. Was nun folgte, war weit mehr als eine gewöhnliche Kirchenführung. Mit großem Wissen, anschaulichen Geschichten und vielen kleinen Besonderheiten nahm Michaela Wolfinger die Senioren mit auf eine Reise durch fast ein Jahrhundert Vohenstraußer Kirchengeschichte. Der Ursprung der katholischen Stadtpfarrkirche liegt dabei in der alten Simultankirche in Altenstadt. Über Jahrhunderte hatten Katholiken und Protestanten das Gotteshaus gemeinsam genutzt. 1913 wurde schließlich beschlossen, das Simultaneum zu beenden und eine eigene katholische Kirche in Vohenstrauß zu errichten. Maßgeblich vorangetrieben wurde das Vorhaben von Prälat Eduard Griener. Doch der Erste Weltkrieg und die anschließende Inflation ließen die Pläne zunächst in weite Ferne rücken. Erst 1927 konnte nach den Plänen des Architekten Heinrich Hauberrisser mit dem Bau begonnen werden. Am 10. Juli desselben Jahres wurde der Grundstein gelegt. Bereits im Oktober 1928 zog die katholische Gemeinde in die noch nicht vollständig fertiggestellte Kirche ein; am 5. Mai 1929 erteilte Bischof Dr. Michael Buchberger dem Gotteshaus die feierliche Weihe. Eine Besonderheit wusste Michaela Wolfinger ebenfalls zu erzählen. Während die katholische Stadtpfarrkirche ihren Altarraum nach Westen ausrichtet, ist die evangelische Kirche in Altenstadt nach Osten ausgerichtet. „Die Kirchen schauen sich an“, ein schönes Bild für die Geschichte des Miteinanders und den ökumenischen Gedanken, der bis heute in Vohenstrauß lebendig ist.
370 Quadratmeter erzählen Vohenstraußer Geschichte
Besonders eindrucksvoll wurde die Führung beim Blick nach oben. Auf einer gewaltigen Fläche von rund 370 Quadratmetern erzählt das Kuppelgemälde von Ludwig Angerer die Geschichte und das Weltbild seiner Zeit. Michaela Wolfinger führte die Besucher im Uhrzeigersinn durch die Darstellung und erklärte Figuren, Persönlichkeiten, Handwerke und religiöse Motive. Das monumentale Gemälde macht dabei nicht nur kirchliche Geschichte sichtbar, sondern zeigt auch Menschen und Berufe aus der damaligen Vohenstraußer Welt. Auch zahlreiche weitere Gemälde und Darstellungen rückten an diesem Nachmittag ins Blickfeld. Besonders passend zum aktuellen Jubiläumsjahr ist dabei die Darstellung des heiligen Franz von Assisi, der im hinteren Bereich des Kirchenschiffs den Vögeln predigt. 2026 jährt sich sein Tod zum 800. Mal, ein schönes Zusammentreffen mit der Festwoche zur Wiedereinweihung der Vohenstraußer Kirche. Doch zur Geschichte einer Kirche gehören nicht nur große Jahreszahlen. Auch die Erinnerungen der Menschen machen sie lebendig. Eine Besucherin wusste zu erzählen, dass ihr Vater Franz Dietl einst mit dem Kuhfuhrwerk Sand und Steine für den Kirchenbau transportiert hatte. Und auch Dekan Alexander Hösl steuerte immer wieder Erinnerungen und Überlieferungen bei. Von schweren Zeiten erzählte die Geschichte der Glocken. Im Zweiten Weltkrieg mussten fünf Glocken abgegeben und eingeschmolzen werden; nur eine Glocke durfte damals im Turm bleiben. 1949 erhielt die Kirche sechs neue Glocken. Heute erklingt vom 44 Meter hohen Turm wieder ein siebenstimmiges Geläut. Der Turm selbst wurde erst 1931 mit dem Aufziehen des Turmkreuzes vollendet. Auch die großen Renovierungsarbeiten der vergangenen Jahrzehnte waren Thema. Ende der 1980er-Jahre wurde die Kirche umfassend erneuert, unter anderem mit einer Fußbodenheizung. Weitere Arbeiten an Dach, Turm und Außenmauern folgten in den Jahren 1996/97. Für ihre kenntnisreiche und zugleich so anschauliche Führung erhielt Michaela Wolfinger am Ende lang anhaltenden Applaus. Sie verwies zudem darauf, dass im Heimatmuseum der Stadt Vohenstrauß die ursprünglichen Pläne, Zeichnungen und der Grundriss der Kirche zu sehen sind. Saurer Bratwurstduft und Musik zum Mitsingen Zurück im Pfarrsaal wartete bereits der nächste vertraute Duft: Es gab saure Bratwürste zur Brotzeit. Für die musikalische Begleitung sorgte anschließend die „Dienstagsmusi“ mit Hans Balk und Günther Hassmann. Bei „Wir san vom Wald dahom“ und „Tief drin im Böhmerwald“ dauerte es nicht lange, bis die ersten Stimmen mitsangen und sich so mancher im Takt mitbewegte. Es war ein Nachmittag, der vieles miteinander verband, Geschichte und Gegenwart, Kirche und Gemeinschaft, Erinnerungen und gelebte Tradition. Und vielleicht war genau das die schönste Botschaft dieses Festwochen-Tages. Denn als die Besucherinnen und Besucher schließlich nach Hause gingen, dürfte mancher von ihnen gedacht haben: „Wie früher.“ Und schöner kann ein Senioren-Plus-Nachmittag eigentlich kaum enden. Zum Abschluss lud Kuni Hanauer bereits zum nächsten gemeinsamen Höhepunkt ein: Am 3. Dezember steht die Adventsfeier auf dem Programm.