Am 24. Oktober verlegte der diesjährige Bundeskulturtag der Eghalanda Gmoin seinen Tagungsort von Marktredwitz nach Wiesau. Im Rathaus wurden die fünfzig Teilnehmenden mit dem Bundesvüarstäiha Helmut Kindl und dem geistlichen Begleiter Monsignore Karl Wuchterl durch zweiten Bürgermeister Karl Georg Haubelt willkommen geheißen.
Haubelt, der auch Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft im Landkreis Tirschenreuth ist, führte aus, dass gut die Hälfte der heimatvertriebenen Sudetendeutschen über den Bahnhof Wiesau in die amerikanische Besatzungszone gebracht worden seien. Die Vertreibungen seien auch aus der Sicht von achtzig vergangenen Jahren Unrecht. Haubelts Vater habe als Sechsjähriger Bayern in Wiesau erreicht und die tschechischen Gefolgsleute des damaligen Präsidenten Beneš hätten nicht im Geringsten Rücksicht auf Alter, Geschlecht oder Gesinnung genommen. Der Bürgermeister erzählte, dass sein väterlicher Großvater bis zum sogenannten Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich nach dem Münchener Abkommen sudetendeutscher Unteroffizier der tschechoslowakischen Armee gewesen sei. Auch das habe dessen Witwe nicht von der Vertreibung ausgenommen, genauso wie der amtliche tschechische Antifaschistenschein seines Urgroßvaters. Der Wiesauer Ortschronist Rektor a.D. Adalbert Busl führte die Besucher durch das Modell des Wiesauer Lagers. Sachkundig und historisch bestens vorbereitet beschrieb er nicht nur die Entstehungsgeschichte, sondern auch die Abläufe bei der Ankunft der Landsleute in Wiesau. Im Dreistundentakt seien die Züge aus dem Nachbarland eingetroffen. Nach der Übergabe durch tschechische Polizisten an US-amerikanische Soldaten seien die Waggons sodann hauptsächlich über Schirnding und Arzberg, aber auch über die damals noch bestehende Bahnlinie von Eger über Waldsassen nach Wiesau gebracht worden. Hier erfolgte die obligatorische Entlausung, es gab eine warme Mahlzeit und ärztliche Hilfe durch den in Wiesau stationierten Lazarettzug des Bayerischen Roten Kreuzes. Dann seien die Züge mit den Transportfähigen nach Verteillisten der amerikanischen Verwaltung hauptsächlich innerhalb des Besatzungsgebietes verteilt worden.
Anwesend war auch Wiesaus langjähriger Bürgermeister Toni Dutz in seiner Eigenschaft als stellvertretender Kreisobmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft. Nach der von Bundeskulturreferentin Christina Diederichs moderierten eineinhalbstündigen Veranstaltung gingen die Teilnehmenden zu Fuß zum Wiesauer Bahnhof zur Erinnerungsstele für die Heimatvertriebenen aus dem Nachbarland. Nach gemütlichem Kaffee bei „Bahn & Bohne“ feierten die Egerländer mit Monsignore Karl Wuchterl in St. Michael gemeinsam mit der Pfarrgemeinde Wiesau noch die samstägliche Vorabendmesse.