Selten war es in der Aula des Luisenburg-Gymnasiums Wunsiedel so still: Rund 130 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 12 und 13 lauschten in der fünften und sechsten Stunde gebannt Thomas Hitzlsperger. Auf Initiative der Fachschaft Politik und Gesellschaft war der ehemalige Fußballnationalspieler zu Gast. Von Anfang an stand dabei fest: Es sollte kein klassischer Vortrag werden. Vielmehr sollte ein echtes Gespräch entstehen – offen, lebendig und nah an den Themen, die junge Menschen bewegen. Zwei Schülermoderatoren aus der 12. Jahrgangsstufe, Marie Bauernfeind und Johannes Nolda, übernahmen die Gesprächsführung und entlockten Hitzlsperger im Laufe einer guten Stunde persönliche Einblicke, nachdenkliche Antworten und so manche Geschichte aus seinem bewegten Leben.
Zunächst ging es um seinen Weg in den Profifußball, die Unterstützung seiner Familie und den Schritt, die Heimat zu verlassen und nach England zu gehen, wo er bis heute lebt. Hitzlsperger berichtete von Leistungsdruck, Konkurrenzdenken, Heimweh und der Angst vor dem Versagen. Gleichzeitig erinnerte er an große Erfolge wie die deutsche Meisterschaft mit dem VfB Stuttgart 2007, seinem persönlichen sportlichen Höhepunkt, und seine Zeit in der Nationalmannschaft. Auch die Begegnungen mit großen Persönlichkeiten des Fußballs, darunter Oliver Kahn, kamen zur Sprache. Dabei wurde deutlich: Auch hinter sportlichen Glanzmomenten stehen Zweifel und persönliche Herausforderungen.
Besonders eindrücklich wurde das Gespräch, als Hitzlsperger über seine Homosexualität und sein öffentliches Coming-out 2014 sprach und damit ein wichtiges Zeichen für Offenheit und gegen Diskriminierung setzte. Offen berichtete er über eine schwierige Phase seines Lebens, in der er sich selbst neu orientieren und einen Weg finden musste, mit seiner eigenen Identität umzugehen. Es ging um Selbstzweifel, um die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt und um die Überwindung, einen Schritt zu wagen, dessen Reaktionen sich nicht vollständig vorhersehen lassen. Ein Satz blieb den Jugendlichen besonders im Gedächtnis: „Homosexualität, das ist kein Makel – so bin ich halt geboren.“ Offen erzählte er von einer schwierigen Phase der Selbstfindung und dem Mut, schließlich zu sich selbst zu stehen. Dabei machte er deutlich, wie wichtig Selbstakzeptanz und Menschen sind, die einem Kraft geben. Auch Vorbilder, die sich vor ihm öffentlich geoutet hatten, hätten ihm geholfen, seinen eigenen Weg zu finden. Besonders spannend war dabei sein Blick auf den Profifußball. Für Hitzlsperger war der Fußball gewissermaßen auch ein Schutzraum. Seine Bekanntheit und seine sportlichen Erfolge machten ihm bewusst, dass sein öffentlicher Status durch seine Homosexualität nicht einfach verschwand. Er war ein erfolgreicher Fußballer – und zugleich ein homosexueller Mann. Das eine schloss das andere nicht aus.
Die Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit für zahlreiche Fragen. Dabei trat Hitzlsperger nicht als unnahbarer Star auf, der aus der Distanz von vergangenen Erfolgen erzählt. Er begegnete den Jugendlichen als Mensch, der Höhen und Tiefen erlebt hat, Entscheidungen treffen musste und bereit war, auch über schwierige Kapitel seines Lebens zu sprechen.
Dass der Gast die Jugendlichen beeindruckte, zeigte sich auch im Anschluss: Der Wunsch nach Autogrammen und gemeinsamen Fotos war groß – selbst bei jenen, die Hitzlsperger nicht mehr aus seiner aktiven Fußballzeit kannten. Seine sympathische, nahbare, ehrliche Art machte ihn schnell zu einer Identifikationsfigur. Das gemeinsame Kicken auf dem Pausenhof rundete den Besuch schließlich ab.
Was von diesem Vormittag bleibt, ist mehr als die Begegnung mit einem bekannten Fußballer. Es sind vor allem die persönlichen Botschaften, die Thomas Hitzlsperger den Jugendlichen mit auf den Weg gab: „Ich schaue in den Spiegel und nichts ist verkehrt mit mir.“ Selbstakzeptanz, Selbstbewusstsein und der Mut, zu sich selbst zu stehen, seien entscheidend. Eine Botschaft, die weit über den Fußball hinausgeht und bei den Schülerinnen und Schülern einen langen Nachhall finden wird