Das Feldgeschworenenwesen ist ein historisch gewachsenes Ehrenamt und eine Besonderheit in der bayerischen Kommunalgeschichte. Auch in Marktredwitz leisten zahlreiche Feldgeschworene einen wichtigen Beitrag, indem sie die Arbeit rund um die Sicherung von Grundstücksgrenzen unterstützen.

Die Aufgaben der Feldgeschworenen sind vielfältig: Sie wirken bei der Vermessung von Grundstücken mit, setzen Grenzsteine, kontrollieren und erhalten vorhandene Grenzzeichen und ersetzen beschädigte oder fehlende Grenzmarkierungen. Damit tragen sie dazu bei, das über Generationen weitergegebene Wissen um die örtlichen Grenzen zu bewahren.

Im Volksmund werden Feldgeschworene auch „Siebener“ genannt. Denn eine besondere Tradition des Feldgeschworenenwesens ist das sogenannte „Siebener-Geheimnis“. Dabei handelt es sich um geheime Zeichen und Markierungen, mit denen der genaue Punkt eines zu setzenden Grenzsteines gekennzeichnet wird. Diese Zeichen und die dazugehörigen Informationen unterscheiden sich von Kommune zu Kommune und werden ausschließlich mündlich vom bisherigen Feldgeschworenen an seinen Nachfolger weitergegeben. Das Wissen bleibt somit innerhalb der Gemeinschaft der Feldgeschworenen erhalten und macht das Amt zu einem ganz besonderen Ehrenamt.

Um die Gemarkungsgrenzen von Marktredwitz im Blick zu behalten, werden seit Jahren regelmäßig Grenzbegehungen organisiert. Dabei wird jedes Jahr ein Streckenabschnitt von etwa zwei bis drei Kilometern gemeinsam abgegangen. Ziel ist es, die Grenzen der Gemarkung Marktredwitz Schritt für Schritt zu erkunden, vorhandene Grenzsteine aufzufinden und überwachsene Grenzzeichen wieder freizulegen.

Zu den Grenzbegehungen sind neben den Feldgeschworenen auch Anrainer, Grundstückseigentümer, Landwirte, Jagdpächter sowie alle weiteren Interessierten herzlich eingeladen. Die gemeinsamen Begehungen bieten nicht nur Gelegenheit, die örtlichen Grenzen besser kennenzulernen, sondern vermitteln auch einen Einblick in die traditionsreiche Arbeit der Feldgeschworenen.

Die jüngste Grenzbegehung fand im Oktober in der Gemarkung Thölau statt. Dabei begaben sich die Feldgeschworenen Manfred Schoberth und Harald Seeberger gemeinsam mit 3. Bürgermeister Marc Preuß und weiteren Teilnehmenden auf Spurensuche. So entdeckten sie unter anderem einen Grenzstein mit der Inschrift „K-B-E“, der an die „Königlich-Bayerische Eisenbahn“ erinnert. Mit diesen Grenzsteinen werden die Flurstücke der Deutschen Bahn gekennzeichnet, die insbesondere in Thölau entlang der Bahnstrecke liegen.

Marc Preuß bedankte sich bei den Feldgeschworenen für ihr ehrenamtliches Engagement. Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Grenzbegehungen auch in den nächsten Jahren fortgeführt werden sollen, um das so wichtige Wissen über die Grundstücksgrenzen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Für Fragen rund um die Arbeit der Feldgeschworenen steht Alexander Letz von der Stadt Marktredwitz gerne zur Verfügung (Telefon: 09231/501-411 oder E-Mail: feldgeschworene@marktredwitz.de).