Wer sich in den heute 77 Filialen von Matt-Optik eine Brille kauft, der stärkt die Wirtschaftskraft unserer Grenzregion: Dies gehörte zu den überraschenden Erkenntnissen für die 20-köpfige Besuchergruppe der Akademie Ostbayern-Böhmen im Fertigungs- und Logistikzentrum von Matt-Optik in Waldmünchen im Landkreis Cham. Eingefädelt hat den Besuch Josef Schönhammer, 1. Vorsitzender der Akademie mit Sitz in Neunburg v. W., die organisatorisch vom Centrum Bavaria Bohemia (CeBB) in Schönsee betreut wird. Er spannte in seiner Begrüßung den Bogen vom übergeordneten Leitgedanken „unsere Region im Wandel“ mit den wechselnden Jahresthemen bis zur Frage, warum sich Matt-Optik 2011 für die Grenzstadt entschied, für viele nur die Trenck-Festspiel-Stadt.
Kompetent und charmant beantwortet Susanne Herbst, Leiterin der Produktion, nicht nur diese Frage. Gründe waren das nahe tschechische Mitarbeiterpotenzial und eine geeignete Immobilie am Marktplatz. Sie führt mit Stolz durch die modernen Produktions- und Logistikräume, die 2023 bezogen wurden. Das Wachsen der Filialen von Matt-Optik, die 100. Filiale nach den ersten Schritten in Städte außerhalb Bayerns zeichnet sich ab, stärkt die Bedeutung des Standorts. Jede Brille, die sich Kunden in einer Filiale von Matt-Optik aussuchen, hat fertigungstechnisch hier ihre Geburtsstunde. Die Brillenfassungen und die Rohgläser kommen von Handelspartnern, doch alles, was eine fertige Brille braucht, durchläuft hier eng aufeinander abgestimmte Stationen, von der Warenannahme über die Sortierung und Zuordnung, das elektronische Abtasten des Brillen- und Gläserformats, das Fräsen der Gläser (weit über 90 % aus Kunststoff) auf die vom Augenarzt oder in der Matt-Filiale gemessene Stärke, die Montage bis zur Endkontrolle und den täglichen Versand der fertigen Brillen mit DHL zurück an die Filialen. Vom eingespielten Mitarbeiterteam kommt über die Hälfte aus Tschechien, deutsch-oberpfälzisch-tschechische Konversation ist hier gelebter Arbeitsalltag.
Gleich am Anfang des Firmenrundgangs fällte der Blick auf ein Regal mit Kunststoffboxen, nummeriert von 1–77. Warum diese Nummerierung, die Frage an die einsortierende Mitarbeiterin. „Für jede Filiale eine Box, da wird alles für die heutige Auftragserledigung zusammengeführt“. Ein paar Bearbeitungsstationen weiter präsentiert die Standortchefin das „Herzstück“ der Produktion, die Fräsmaschine Bishera Phoenix von MEI für alle Brillengläser. Der Umzug in den neuen Waldmünchener Sitz machte es möglich, sich von den herkömmlichen Schleifmaschinen, die alle eine Frischwasserversorgung brauchten, zu verabschieden. Mit der MEI wechselte Matt in die derzeit modernste Brillengläser-Technologie. Diese eingehauste Fräsmaschine dreht und wendet die Gläser in alle Richtungen. Sie gibt ca. 50 Stück in der Stunde den richtigen Schliff, komplett ohne Wasser. Der ökologische Nutzen: Pro Jahr werden bis zu 1 Million Liter Wasser eingespart. Die MEI kann noch mehr, sie prüft die Glasart, die Stärke und die Zentrierung. Heraus kommt das Glas in der für die Fassung benötigten Größe und Sehstärke. Aufschlussreich die Antwort auf die Frage, welchen Stellenwert im Unternehmen die Ausbildung hat. Über alle Filialen verteilt sind es aktuell im 1. Lehrjahr 21, im 2. Lehrjahr 20 und im 3. Lehrjahr 27 Azubis plus 2 Fachverkäufer, die sich auf die Gesellenprüfung vorbereiten. Interessant, wie sich Matt-Optik im Wettbewerb einordnet: Profunde Fachberatung, ein gesunder Mix von Preis, Design und die Erweiterung des Spektrums auf Hörakustik in ausgewählten Filialen. Applaus gibt es am Schluss des Rundgangs für die Leistung des Fertigungs- und Logistikzentrums von Matt-Optik unter dem Dach des Regensburger Familienunternehmens, in dem inzwischen die 3. Generation mit Maximilian Matt die Verantwortung für den Expansionskurs trägt.