Wie selbstverständlich radioaktive Stoffe einst in Alltagsprodukten eingesetzt wurden, zeigt die Sonderausstellung „Strahlende Kuriositäten im Alltag“ im Gelebten Museum Mähring. Bei der Eröffnung am 10. Oktober stieß das Thema auf großes Interesse. Ing. František Malý aus dem tschechischen Aš führte zuvor in einem Vortrag von den Anfängen der Radioaktivitätsforschung bis zur sogenannten Radium-Mode.
Im frühen 20. Jahrhundert galten radioaktive Stoffe als Zeichen des Fortschritts. Uranverbindungen sorgten in Glas und Keramik für intensive gelbe und grünliche Farbtöne. Radium wurde sogar in Kosmetik- und Pflegeprodukten vermarktet, denen man gesundheitsfördernde oder verjüngende Wirkungen zuschrieb. Die Gefahren der Strahlung waren damals noch nicht ausreichend bekannt. Heute weiß man, dass ionisierende Strahlung Zellen und Gewebe schädigen kann.
Die Ausstellung macht dieses Kapitel der Wissenschafts- und Alltagsgeschichte anhand ungewöhnlicher Objekte greifbar. Zu sehen sind Modeschmuck, Porzellanfiguren, Uhren mit Leuchtziffern, Gläser, Vasen und Teesets. Auch ein Rosenkranz, Lichtschalter, Fliesen sowie historische Produkte wie Radiumseife und Zahncreme gehören dazu. Die Exponate zeigen, wie weit die Faszination für radioaktive Materialien einst in den Alltag reichte – und wie eng wissenschaftliche Neugier, Mode und kommerzielle Versprechen verbunden waren.
Die Objekte stammen überwiegend aus der Sammlung von Ferdinand Wagner; weitere stellte Josef Penzkofer aus dem Bayerischen Wald zur Verfügung. Für die Präsentation wurde ein Strahlenschutzkonzept erarbeitet.
Die Sonderausstellung soll mindestens ein halbes Jahr zu sehen sein. Nächster Öffnungstermin ist Sonntag, 25. Oktober, von 14 bis 17 Uhr. Gruppenbesuche sind nach telefonischer Vereinbarung möglich. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Weitere Termine und Kontakt: www.daszwoelfer.de