Katastrophenschutz funktioniert nicht ohne die Mithilfe der Bürger. Das war eine der Erkenntnisse eines informativen und spannenden Vortrags von Dr. Bernhard Mitko und Christoph Hollweck bei der Aktionsgemeinschaft Wagrain Ammersricht. Hochkarätiger hätte das Referententeam kaum sein können. Dr. Mitko ist im Krisenfall Leiter der Führungsgruppe Katastrophenschutz Amberg, die 120 festgelegte Personen umfasst. Hollweck ist Ortsbeauftragter des THW, das zum Beispiel bei Strom-Blackouts eine Vielzahl technischer Einrichtungen zur Verfügung stellt.
AWA-Vorsitzender Manfred Lehner machte bei der Begrüßung deutlich, dass die Zeiten vorbei seien, in denen der Ernstfall nur geübt werden musste. Das bedeute für die Bürger, dass sie sich mental und praktisch auf Krisenszenarien vorbereiten müssten. Die Gesellschaft habe den Umgang damit buchstäblich verlernt. Deshalb betrachte die AWA den Vortragsabend als eine Art „Erste-Hilfe-Kurs“ in Sachen Katastrophenschutz.
Diesen Ball nahm Dr. Bernhard Mitko dankbar auf. Unberechenbare Starkregen, wie auch im Stadtteil Wagrain-Ammersricht im Jahr 2011, Waldbrände bei extremer Trockenheit oder ein Strom-Blackout durch Terroranschläge seien inzwischen wieder ganz reale Gefahren. Erfreulicherweise habe die Stadt Amberg in Zeiten, als noch mehr Gelder im Haushalt verfügbar waren, vorgesorgt. Der Referent zählte auf, was an stationären und mobilen Notstromaggregaten zur Verfügung stehe. Auch sogenannte Tankbomben würden vorgehalten, schließlich wäre bei einem Stromausfall auch die Benzin-Zapfsäule außer Betrieb. Für vulnerable Gruppen und Bedürftige bereite man im Notfall die Turnhallen von GMG und Dreifaltigkeitsschule als „Wärmehallen“ mit Feldbetten vor. Zum Equipment gehörten auch ein Einsatzfahrzeug mit „Hightech-Büro“ für den Krisenstab, eine Sandsackabfüllanlage sowie ein Erkundungswagen bei chemischen, biologischen oder atomaren Verseuchungen.
Wie die vom bundesweit agierenden Technischen Hilfswerk bereitgestellte Hilfe beim Katastrophenschutz aussieht, schilderte Christoph Hollweck. 669 Ortsverbände, einer davon in Amberg, mit 80.000 Ehrenamtlichen seien aktiv – mit dem gesetzlichen Auftrag im Katastrophen- und Zivilschutz. Dabei machte er kein Hehl daraus, dass der Schutz vor militärischer Bedrohung jahrzehntelang kein Thema mehr gewesen sei und erst wieder Zug um Zug aufgebaut werden müsse. In Amberg seien 85 von 250 THW-Mitgliedern ständig einsatzbereit. Der sogenannte technische Zug und diverse Fachgruppen deckten Notfälle ab, die von der Notstromversorgung bei Blackouts über Brückenbau, etwa bei der Ahrtalflut, bis zum Aufbau zerstörter kritischer Infrastruktur reichten. Auch die Logistik, zum Beispiel Feldküchen oder das Verteilen von Treibstoff, gehöre zu den THW-Aufgaben.
Leichte Entwarnung gab Dr. Mitko bei dem Risiko, dass bei flächendeckendem Stromausfall auch die Trinkwasserversorgung ausfalle. Da hätten die Stadtwerke gut vorgesorgt. Selbst die Amateurfunker mit einem eigenen Funkmast am Eisberg könnten einspringen, sollte etwa das Telefon- oder Handynetz gestört sein.
Die Frage, ob der Luftschutzbunker in der Tiefgarage am Bahnhof noch nutzbar sei, verneinte er. Er sei 2012 stillgelegt worden und die Bundesregierung plane auch keine neuen Anlagen, die etwa vor atomaren Angriffen schützten. Eine eindeutige Meinung hat Dr. Mitko zur Frage, ob es in Amberg und Sulzbach-Rosenberg zwei Krankenhäuser brauche. Die Corona-Epidemie habe gezeigt, dass die bestehenden Kapazitäten notwendig seien.
Dies führte Dr. Mitko zu der Frage, was die Bürger selbst im Katastrophenfall tun könnten. Soweit möglich, solle man den eigenen Keller auch als Schutzraum vorbereiten und Lebensmittel sowie Hygienemittel für drei bis zehn Tage vorhalten. Wichtig sei es, diese von Zeit zu Zeit „umzuwälzen“, ergänzte Hollweck, also auf Haltbarkeit zu überprüfen.
Ein Fazit des Abends, der nach dem Willen der beiden Referenten ein Auftakt für viele weitere Vorträge sein solle: Die Zivilgesellschaft, vor allem in Form der Vereine, könne eine wichtige Rolle spielen, um die Bevölkerung für die Belange des Katastrophenschutzes zu sensibilisieren. Hilfreich sei in jedem Fall, sogenannte Warn-Apps zu nutzen. Dazu gebe es kostenlose Flyer und Info-Broschüren. Reinhard Scharf für die Siedlergemeinschaft Am Wagrain und Wolfgang Sennfelder für die SG Neumühle sagten spontan ihre Unterstützung zu. Einig war man sich auch, dass die Sensibilisierung für das Thema bereits in der Schule beginnen müsse. Zum Schluss gab Dr. Mitko noch den Hinweis, dass in Workshops zu Überlebensstrategien oft der Rat gegeben werde, zu bleiben, wo man sei, und für Essen und Wärme vorzusorgen. Augenzwinkernd fügte er hinzu: „Und eine Flasche Wein im Keller für Notfälle zu lagern.“