Der Wein-Lese-Abend der Gemeindebücherei Kastl stand unter dem Motto „Da Boder liest Polt“ und war ein grandioser Erfolg. Das Obergeschoss der Bücherei war bis auf den letzten Platz gefüllt. Weil keine Stühle mehr frei waren, wichen die Besucher sogar auf die Sitzhocker für Kinder aus, um überhaupt noch einen Platz zu ergattern.
Zu Beginn begrüßte Büchereileiter Georg Dürr die zahlreichen Gäste und Liebhaber der Texte von Gerhard Polt. Sein besonderer Dank galt Albert Fromm, genannt „da Boder“, der diesen Abend mit seinen Polt-Lesungen erst möglich gemacht hatte.
Gerhard Polt ist ein bayerischer Kabarettist, Schauspieler und Autor, der mit scharfem Humor und feiner Beobachtungsgabe gesellschaftliche Eigenheiten und menschliche Schwächen aufzeigt. Seine Texte sind geprägt von bayerischer Mundart, Sprachwitz und Satire. Alltag, Politik und Spießbürgertum werden darin kritisch und zugleich humorvoll beleuchtet.
Albert Fromm begann seine Lesung mit Gerhard Polts Text „Der Gedanke“. Darin wird ein Angestellter im Vorbeigehen auf der Toilette von seinem Vorgesetzten Dr. Bödele mit der Aufgabe betraut, bei der Verabschiedung eines Kollegen eine kurze Rede zu halten. Er soll sich dafür „einen Gedanken machen“ – doch der will sich partout nicht einstellen.
Es folgten Texte über Kaiser Nero und den Geschichtsunterricht sowie deren Übertragung auf die heutige Zeit. Anschließend ging es um „Longlive“: Schafft Oliver, das Tennis-Ass, überhaupt sein Abitur? Wenn es nach den überambitionierten Eltern geht, steckt schließlich in jedem Schraz ein Wunderkind.
Nach einer kurzen Pause ging es mit „Weber Max“ weiter, einer Anspielung auf den gleichnamigen Gemeinderat. Wenn man ehrlich ist, bedarf der Sechsämtertropfen keiner zusätzlichen Popularität. Immerhin war es Gerhard Polts legendäre Gemeinderatsfigur Weber Max, die beim kommunalpolitischen Symposium den Regierungspräsidenten – „ein gebildeter Hund, gebildet, dass du sagst: Ja, leckst mich am Arsch!“ – mit einer Frage auf höchst eigenwillige Weise herausforderte: Müssen bei diesem Symposium tatsächlich alle geladenen Gemeinderäte den angebotenen Beaujolais trinken, oder gäbe es nicht auch eine ordentliche Flasche Sechsämtertropfen?
Weiter ging es mit „Wenn der Russe losmarschiert“ und dem Text „Toleranz“. Darin heißt es: „Das Wort ‚Toleranz‘ ist kein deutsches Wort. Es ist ein Fremdwort. Und ‚tolerieren‘, ‚etwas tolerieren‘ bedeutet so viel wie ‚etwas aushalten‘. Also, wenn früher mal wer gefoltert worden ist, dann war der tolerant.“
Doch damit war der Abend noch nicht zu Ende. Das Publikum forderte eine Zugabe, und Albert Fromm kam diesem Wunsch gerne nach. Mit Auszügen aus „Europa“ und „Kormoran“ setzte er einen weiteren humoristischen Höhepunkt. Darin heißt es sinngemäß: „Mir ham die Mongolen nausgschmissen, mir ham die Hunnen nausgschmissen, mir ham die Österreicher rausgschmissen … aber der Kormoran, der darf rein!“ Auch die augenzwinkernde Frage, ob das Wort „Kormoran“ wohl vom „Koran“ abstamme, sorgte für Lacher.
Mit tosendem Applaus bedankten sich die Zuhörer bei Albert Fromm für seine beeindruckende Darbietung. Wer die Augen schloss und nur seiner Stimme lauschte, konnte tatsächlich meinen, Gerhard Polt persönlich zu hören. So detailgetreu und ausdrucksstark brachte „da Boder“ die Texte des bayerischen Kabarettisten auf die Bühne.
Auch Büchereileiter Georg Dürr bedankte sich bei den Gästen, die gekommen waren, sowie bei Bürgermeister Stefan Braun. Für einen Abend voller Lacher und nachdenklicher Texte dankte er vor allem Albert Fromm, dem Boder, durch den dieser Abend mit seinen Polt-Lesungen erst möglich wurde. In entspannter Atmosphäre und begleitet von einem guten Glas Wein erlebten die Besucherinnen und Besucher einen unterhaltsamen und zugleich besonderen Abend – ein literarisches Erlebnis, das noch lange in Erinnerung bleiben dürfte.