Grundlegende Veränderungen und Umstrukturierung stehen in nächsten Zeit beim Diakonieverein an. Auf der Jahreshauptversammlung wurde beschlossen, den ambulanten Pflegedienst und die Tagespflege in eine gemeinnützige GmbH umzuwandeln, außerdem gibt es auch Veränderungen beim Kaufhaus Lucas. Einig waren sich die Mitglieder, dass die Einrichtungen voll und ganz erhalten bleiben, weil sie dem Auftrag der Diakonie nicht nur entsprechen, sondern auch geboten sind.
Nach einem geistlichen Wort von Prädikant Oskar Steinbrecher, in dem er besonders das Wesen des Alters beleuchtete, führte 1. Vorsitzender Karlheinz Seidel in die Thematik ein. Man habe sich in den letzten Monaten intensiv mit der Materie beschäftigt und sei zu den Veränderungen gekommen. Nils Haberzettl vom kirchlichen Dienst für soziale Einrichtungen ( KDSE), erläuterte, dass die Zukunft unbedingt gesichert werden müsse. Bei der Tagespflege strebe man durch verschiedene Maßnahmen eine 100 prozentige Auslastung an. Derzeit betrage sie 80 Prozent. Bei der ambulanten Pflege fehlen derzeit große lukrative Einsätze. Das operative Geschäft solle nicht mehr über den Verein laufen, sondern über eine gemeinnützige GmbH. Der Verein sei aber der alleinige Gesellschafter. Die Mitarbeitenden seien informiert worden. In der neuen Satzung, die die Mitgliederversammlung am 14.April dieses Jahres beschlossen hatte, sehe die Gründung einer Tochtergesellschaft vor. Die Geschäftsführerin des Kaufhauses Lucas Annemarie Riedel sieht die Situation so: „Während im Jahre 2004 das Kaufhaus noch als besserer ehrenamtlicher Flohmarktladen mit minimalen finanziellen Risiko betrieben werden konnte, geht es 2026 um den Erhalt eines mittelständischen Betriebes.“ Nach über 21 Jahren steht das Bestehen exemplarisch für die kritische Entwicklung im sozialen Sektor. Hier verdeutlicht sich die betriebswirtschaftliche Zwickmühle im sozialen Sektor. Der Rückgang an ehrenamtlichen Kräften verschärft die Krise des Sozialkaufhauses drastisch. Die Zahl der bezahlten Mitarbeiter ist von 1,5 auf 8 gestiegen.
Dadurch ist ein massive Vergrößerung des Kostenapparates entstanden. Dies ist nicht mehr mit den gegenwärtigen Maßnahmen zu stemmen. Die Einnahmen im Sozialkaufhaus werden ausschließlich durch den Verkauf von gespendeten Secondhand Waren erzielt, wobei die Preise unter starkem Druck stehen. Um eine Schließung zu vermeiden, sind zügige Maßnahmen zu ergreifen, so die Geschäftsführerin. Die Kündigung von Werbeverträgen oder freiwilligen Leistungen erfolgte als erster Schritt. Ein freiwilliger Verzicht der Mitarbeiterinnen aus 15 Prozent der Arbeitszeit seit April ist ebenfalls ein starkes Signal der Solidarität und der Verbundenheit , was erstmal finanzielle Luft verschafft. Die Umwandlung von einem Wirtschaftsbetrieb zu einem zumindest teilweise steuerbefreiten Zweckbetrieb ist anzustreben.
Schließlich beschloss die Versammlung das Gebäude des Diakonievereins in der Klingerstraße 2 zum Verkauf anzubieten. Vorsitzender Karlheinz Seidel erläuterte, dass es sich dabei nicht um einen Notverkauf handle, sondern das das Anwesen im operativen Geschäft nicht mehr nötig sei.